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Filmkritik

Kochen in Zeiten der Globalisierung

Fertigsauce wird einer flotten Liebesgeschichte zum Verhängnis. In seiner Low-Budget-Produktion zeichnet der gebürtige Österreicher Paul Harather ein liebevoll karikierendes Sittenbild der Italoamerikaner: Ein kleiner Film, der die grosse Leinwand erobern könnte.

Bis anhin waren es Mafiosifilme, in denen die italienischstämmige US-Bevölkerung beschrieben wurde. Regisseur Paul Harather und seiner Filmfamilie (hauptsächlich mit italienischen Wurzeln) ist es hingegen gelungen, den Secondo-Liebesmühen im kleinstädtischen Hier und Jetzt umwerfende Szenen und komische Situationen zu entlocken:

Das Leben von Schuhverkäufer Paulie (Paolo Romanacci) ändert sich für immer, als kurz vor Ladenschluss unverhofft die Frau seiner Träume (Josie DiVincenzo) das Geschäft betritt, zwar nichts kauft, sich aber auf ein Date mit ihm einlässt.

Hinter dem gepflegten Mitdreissiger ist halb so viel Mann, wie es der mit Muskel-Breckies aufgeblasene Körper verspricht. Paulie ist kein Single, sondern ein Junggeselle; wohnen tut er bei «Mamma e Papà» und lässt es sich dort gut gehen. Das Abendessen mit seiner Angebeteten im Restaurant eines Kollegen hat er mit ein Paar Schuhen der letzten Saison beglichen.

Die Romanze nimmt just an jenem Abend ein abruptes Ende, als Paulie ihr einen Heiratsantrag machen will. Grund: Seine ebenfalls italienischstämmige Freundin Viktoria will ihm zu Pasta eine Fertigsauce vorsetzen. Das Macho-Bubi - grandios gespielt von Romanacci - verfällt in einen Tobsuchtsanfall, wie man es von 5-Jährigen im Supermarkt kennt. Und es dauert dann eine ganze Weile, bis der Sohnemann von der Schmoll- in die Reue-Phase kommt und sich schliesslich unter die Haustür seiner Liebsten begibt.

Bereits im Frühjahr 2000 hat «Ragu» am New York Film Festival den Publikumspreis zugesprochen bekommen. Seither hat das Werk seinen Weg in die grossen Kinosäle beständig fortsetzen können. Durch ihren «Euro-Look» (Handkamera, keine klassische Ausleuchtung) mit Doku-Soap-Einschlag (das Paar nimmt getrennt in einer Art Interview-Situation Stellung) wirkt die US-Produktion auf seltsame Weise exotisch.

Paul Harather, Jahrgang '65 und sowohl in Europa als auch in den USA ausgebildet, hat schon erfolgreich Kurzfilme, Dokumentationen, Essays und Werbefilme realisiert. Sein Durchbruch gelang ihm mit «Indien», dessen Drehbuch er mit dem österreichischen Kabarettisten Josef Hader geschrieben hat.

Dass in «Ragu» eine Geschichte, die in den USA spielt, ebenfalls in einem spezifisch europäischen Charakterkomödien-Stil inszeniert wird, ist zwar etwa so befremdend, wie wenn Sugo mit Glasnudeln gemischt wird. Harathers Unverblümtheit macht sich aber bezahlt: Sein Film ist erfrischend und versprüht eine besonders charmante Art von Wehmut.

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