Catch Me If You Can - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2002) |
| Genre: | Action, Crime, Drama |
| Filmlänge: | 141min |
| Regie: | Steven Spielberg |
| Kinostart: | 30.01.2003 |
| Drehbuch: | Frank Abagnale Jr. |
| Stan Redding |
Kleider machen Millionäre
In ihrem ersten gemeinsamen Film liefern sich Leonardo DiCaprio und Tom Hanks ein äusserst vergnügliches Katz- und Maus-Spiel. Steven Spielbergs Gaunerkomödie um den cleveren Frank Abagnale, der als falscher Pilot, Arzt und Anwalt noch vor seinem 21. Geburtstag Millionen scheffelt, überzeugt auf beinahe der ganzen Ebene.
Man kann Steven Spielberg vielleicht einiges vorwerfen, doch kaum mangelnde Abwechslung bei seinen Filmprojekten. Lagen zwischen dem Hai-Schocker «Jaws» und dem zuckersüssen «E.T.» noch 7 Jahre, drehte er die gänzlich unvereinbaren Filme «Jurassic Park» und «Schindlers List» unmittelbar aufeinanderfolgend. Auch dieses Mal gibt sich Spielberg alle Mühe, ja nicht auf Genres oder Stimmungen festgelegt zu werden. Nach der ebenso futuristischen wie misstrauischen Welt in «Minority Report» springt der Regisseur in «Catch Me if You can» in die fröhlichen Sechzigerjahre, in der zwar keine heile Welt, zumindest aber noch eine Vertrauensseligkeit und Naivität herrschte, die einen beinahe wehmütig werden lässt.
Wer eine Uniform trug, verdiente selbstverständlich Respekt. Dies macht sich im Film Frank Abagnale (Leonardo DiCaprio) bei seinen zahlreichen falschen Identitäten zu Nutze. Als sich seine Eltern überraschend trennen, reisst der 16-jährige Frank hoffnungs- und orientierungslos von Zuhause aus. Um schnell an Geld zu kommen, bastelt er mehr schlecht als recht seine ersten gefälschten PanAm-Schecks. Erfolg hat der dreiste Teenager, als er sich zusätzlich eine Pilotenuniform zulegt, welche die entzückten Schalterbeamtinnen von den Schecks ablenkt. Die Masche zieht, der mysteriöse fliegende Scheckbetrüger wird nach und nach zum Medienstar. Als sich der FBI-Agent Carl Hanratty (Tom Hanks) an seine Fersen heftet, wechselt Frank Strategie sowie Outfit: Erst als Arzt, später als Anwalt scheffelt er weiterhin Millionen, ohne dass man ihn schnappen kann.
Eine solche Geschichte tönt natürlich arg konstruiert, überzogen und zu sehr nach einem naiven Märchen, als dass sie wirklich ernstgenommen werden könnte. Tatsächlich beruht sie aber auf der Biographie des echten Frank Abagnale, der noch vor seinem 21. Geburtstag durch seine Täuschungen zu einem Vermögen von mehreren Millionen Dollar gekommen ist. Steven Spielberg verfilmte die ungewöhnlichen Story als muntere Räuber und Gendarm-Geschichte, bei der es einfach nur Spass macht, den beiden Gegenspielern Frank und Carl zuzusehen. Ernstere Töne schlägt der Film an, wenn ersichtlich wird, dass dem jungen Fälscher trotz immer perfekteren Scheckimitationen und immer kühneren Täuschungsmanövern eine echte, eigene Identität fehlt, zu der er sich zurückziehen kann. Ausserdem versucht Frank ebenso hartnäckig wie hoffnungslos seine Eltern mit Hilfe des ergaunerten Geldes wieder zusammenzubringen.
Insgesamt wirken solche düsteren Momente aber weniger stark als der Rest des Films. Dies macht jedoch nichts, will «Catch Me if You can» in erster Linie ja nichts weiter als eine temporeiche und stimmungsvolle Gaunerkomödie sein. Dabei überzeugen Leonardo DiCaprio und Christopher Walken als Franks Vater ebenso wie die Konsequenz, in der die bunten Sechzigerjahre auf die Leinwand zurückgebracht wurden.
[Marc Mair-Noack]
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