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One Hour Photo

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 Filmkritik
«One Hour Photo»: Bewertung der Redaktion
One Man Show

«Wenn wir durch unsere Photoalben blättern, sehen wir nur ein Zeugnis der fröhlichen Momente unseres Lebens. Keiner photographiert je etwas, das er vergessen möchte.» Ein einsamer Photoentwickler, der sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt, baut sich mit den glücklichen Momentaufnahmen einer Stammkundenfamilie jahrelang eine eigene imaginäre Ersatzfamilie auf. Nach und nach verliert er seinen Realitätssinn und steigert sich in eine krankhafte Besessenheit.

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Sy Parrish (Robin Williams) hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er ist Leiter einer Photoabteilung in einer Filiale der Supermarktkette «SavMart». Er geht seiner Aufgabe mit enormer Präzision und Hingabe nach. Privat ein einsamer trauriger Mann, der sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt, setzt er am Arbeitsplatz stets das höfliche Verkäuferlächeln auf. Sy ist fasziniert von der jungen Familie Yorkin. Sie sind seine Stammkunden und stellen für ihn die perfekte Familie dar. Er identifiziert sich so stark mit ihnen, dass er sich für ihr Wohlergehen fast schon verantwortlich fühlt, und ist dem vermeintlich glücklichen Familienleben näher, als die Yorkins auch nur in ihren kühnsten Träumen vermuten würden. Als Sy realisiert, dass die Fotos der glücklichen Momente in Wirklichkeit nur Abbildungen einer Familie sind, die mit ganz realen Problemen zu kämpfen hat, beschliesst er, sich in ihre Privatsphäre einzumischen, um seine imaginäre Ersatzfamilie zu retten.

Gleich zu Beginn des Filmes sehen wir, wie Sy auf der Polizeistation verhört wird. Er hat ein Verbrechen begangen und erzählt in einer Rückblende, wie es dazu gekommen ist. Wäre es nicht interessanter gewesen, die Geschichte in chronologischer Reihenfolge zu erzählen und Sys Verhaftung nicht gleich am Anfang zu thematisieren? Ich denke nicht, denn die Spannung wird auch so während des ganzen Filmes aufrechterhalten, und man weiss nie, was als nächstes geschieht. Die Chronologie ist zweitrangig. Sys trauriges Leben und seine Entwicklung sind Mittelpunkt des Filmes. Sein tristes, monotones Leben wird durch perfekte Kameraeinstellungen, die Musik, die Kulisse und die sterile Umgebung noch verstärkt. Die unheimlichen Bilder sind von beinahe surrealer Schönheit. Trotzdem wirkt der Film unglaublich realistisch und genau deswegen umso schockierender. Erst ganz am Schluss erhält man einen Einblick in Sys Vergangenheit. Der Erklärungsversuch für seinen schleichenden Wahnsinn wäre aber nicht unbedingt nötig gewesen, vielmehr wirkt er ein wenig aufgesetzt.

Man merkt, dass bei diesem Projekt ein erfahrenes und talentiertes Team am Werk war. Neben Drehbuchautor und Regisseur Mark Romanek, der sich zuvor mit preisgekrönten Musikvideos für Künstler wie Madonna, David Bowie oder Nine Inch Nails und mit Werbespots für Nike oder Calvin Klein einen Namen gemacht hatte, sind es vor allem Kameramann Jeff CronenwethFight Club») und Produktionsdesigner Tom FodenThe Cell»), die für das beeindruckende und unverwechselbare Erscheinungsbild verantwortlich waren.

«One Hour Photo» ist ein spannender Thriller und ein Psychodrama zugleich, eine feinfühlige und sehr realitätsnahe Charakterstudie eines einsamen, verstörten Mannes. Romanek macht Anleihen bei Werken wie «The Conversation» (1973) oder bei «Taxi Driver» (1976) und verzichtet völlig auf Actionszenen oder blutige Schockbilder. Der Film erinnert stellenweise auch an Kubricks «The Shining» und ist trotz Robin Williams in der Hauptrolle kein Mainstream-Produkt.

Neben der gewaltigen Bildsprache überzeugt der Film vor allem durch die realistische Inszenierung und die hervorragende schauspielerische Leistung von Robin Williams. «One Hour Photo» ist bereits der zweite Film innerhalb dieses Jahres, indem Williams nicht als Komiker auftritt. Wie in «Insomnia» spielt er in diesem Film einen eher finsteren Charakter, jedoch auch nicht eindeutig den bösen Mann. Er wirkt zwar bedrohlich, trotzdem empfindet man aber auch Mitleid mit ihm. Innerhalb seines Charakters gibt es keine eindeutige Abgrenzung von Gut und Böse und genau diese Ambivalenz verkörpert Williams sehr gelungen.

Wer «One Hour Photo» gesehen hat, bringt bestimmt seine nächste Rolle Film mit einem mulmigen Gefühl zum Entwickeln ins Photolabor. [Rona Grünenfelder]


 Eure Kommentare

Frederic: den besten Psychothriller den ich je gesehen habe!!!
Tobias: da bleibt mir die spucke weg. psychothriller welcher sämtliche e...
Tuvok: Der Film macht nachdenklich, die Freundin sehr ruhig, und man bra...
Tuvok: Er hat eine Auseinandersetzung mit BILL. Er hat vor den Kunden mi...
Tuvok: Das stille Wasser tief sind, beweist auch dieser Film. Es geht in...
Veronica: Der Film fand ich im Nachhinein, nachdem mich eine Freundin üb...

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 Abspann
Originaltitel: One Hour Photo
Land (Jahr): USA (2001)
Genre: Thriller / Studiofilm
Besetzung: Robin Williams, Connie Nielsen, Michael Vartan, Gary Cole, Eriq La Salle, Andrew A. Rolfes, Erin Daniels, Carmen Mormino
Regie: Mark Romanek
Drehbuch: Mark Romanek
Kamera: Jeff Cronenweth
Produktion: Pamela Koffler, Christine Vachon, Stan Wlodkowski, Robert B. Sturm
Verleih: 20th Century Fox Film Corporation
Produktionsfirma: Killer Films [us]
Startdatum: 05.12.2002 (Deutschschweiz)
27.11.2002 (Romandie)



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