No Man's Land - Filmkritik
| Land (Jahr): | Belgien, Bosnien-Herzegovina, Frankreich, Italien, Grossbritannien (2001) |
| Genre: | Comedy, War |
| Filmlänge: | 98min |
| Regie: | Danis Tanovic |
| Kinostart: | 28.02.2001 |
| 03.10.2001 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Danis Tanovic |
Zahme Kriegssatire
Die UNO ist hierzulande in aller Munde. Doch nicht nur das letzte neutrale Land auf der Welt beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen dieser Organisation, sondern auch der belgisch-bosnische Regisseur von «No Man's Land». Die mangelnde Durchsetzungsfähigkeit der UNPROFOR-Truppen im Bosnienkrieg 1993, ethnische Differenzen und die skrupellosen Medien sind die Hauptthemen auf der kleinen Niemandsland-Kriegsbühne.
Es ist eine neblige Nacht nahe der bosnisch-serbischen Frontlinie: Ein bosnischer Ablösungstrupp verirrt sich auf dem Weg zur Front. Als die Soldaten in der Morgensonne aufwachen, realisieren sie die fatale Situation, in der sie sich befinden - sie haben zwischen den Linien Halt gemacht. Nur zwei Bosnier überleben den Kugelhagel, welcher auf das tragische Missgeschick folgt. Chiki (Branko Djuric) flüchtet sich in einen Schützengraben, in den er auch seinen bewusstlosen Kameraden retten kann. Doch zwei serbische Späher schicken sich an, die Überlebenden zu liquidieren. Unter dem Bewusstlosen, den sie im Graben vorfinden, platzieren sie eine Granate, so dass sich dieser nicht mehr rühren kann, ohne in die Luft zu fliegen. Nach einer kurzen Schiesserei gelingt es Chiki allerdings, den einen Serben zu töten. Den Zweiten - Nino (Rene Bitorajac) - hält er mit seiner Waffe unter Kontrolle. Gemeinsam müssen sie nun auf Hilfe der UN-Truppen warten.
Mit dieser wirren Situation schafft Tanovic die Ausgangslage für seine Kriegssatire. Unter der gleissenden Sonne wird sozusagen ein Bosnien-Krieg im kleinen, persönlichen Rahmen inszeniert. Heruntergebrochen auf die zwischenmenschliche Ebene zeigt «No Man's Land» die scheinbar ausweglose Situation, in der sich die beiden Parteien befinden. Mit Schuldzuweisungen machen sie sich das Leben schwer, immer wieder wechseln die Waffen ihren Besitzer und somit ändern sich auch die Machtverhältnisse. Doch es werden eben auch Gemeinsamkeiten sichtbar, so hatten beispielsweise Chiki und Nino in ihrem zivilen Leben eine gemeinsame Bekannte.
Der Film von Danis Tanovic, der während des Krieges als Kameramann in der bosnischen Armee tätig war, wurde beim Filmfestival in Cannes 2001 mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet, am 20. Januar 2002 gewann er einen Golden Globe als bester fremdsprachiger Film, und mit diesem Preis ebnete er sich zudem den Weg zur diesjährigen Oscar-Nomination in derselben Kategorie.
«No Man's Land» hat seine Stärken im Bereich des zwischenmenschlichen Konflikts, der sich hervorragend eignet, um die Hilf- und Sinnlosigkeit dieser konfusen Situation und des Krieges an sich aufzuzeigen. Doch zugleich liegt gerade da eine seiner grossen Schwächen. Denn der kleinbühnenartigen Inszenierung fehlt es an Authentizität. Die Figuren wirken aufgrund ihrer satirisch bedingten, stereotypen Überladenheit nicht mehr real genug. Dies wird besonders augenfällig, als Original-Fernsehbilder einer Karadzic-Rede eingespielt werden, die sich scheinbar nicht mit dem Rest des Filmes vereinen lassen. Auch die zum Teil sehr plumpe und überaus klischierte Darstellung der unkoordinierten UN-Truppen und der quotengeilen Medienleute lässt den nötigen Biss vermissen. Das preisgekrönte Drehbuch hätte wahrscheinlich, inszeniert als Theaterstück, mehr Wirkung gezeigt. [Pascal Lüthi]
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