Harry Potter (Daniel Radcliffe) lebt bei seinem rabiaten Onkel Vernon (Richard Griffiths), der hartherzigen Tante Petunia (Fiona Shaw) und dem verwöhnten Cousin Dudley (Harry Melling). Der unerwünschte Waisenjunge wird von seinen Verwandten nur geduldet und muss in einem Schrank unter der Treppe schlafen. Als sein elfter Geburtstag naht, überschlagen sich die Ereignisse: Harry kriegt Post von der Zauberschule Hogwarts und erfährt, dass er, genau wie seine verstorbenen Eltern, ein Zauberer ist. In Hogwarts soll er zum vollwertigen Zauberer ausgebildet werden. Für Harry steht die Welt Kopf, doch schliesslich findet er in der Welt der Zauberer und Hexen endlich das, was ihm in seinem jungen Leben bisher verwehrt geblieben ist: Geborgenheit, Familie und ein unglaubliches Abenteuer.
Als Warner Bros. im Frühling 2000 Chris Columbus als Regisseur des ersten Harry Potter-Films präsentierten, schüttelte weltweit die Fangemeinde des Zauberlehrlings ungläubig die Köpfe. Der Mann dem die Welt Filme wie «Mrs. Doubtfire» und «Home Alone» verdankte, konnte unmöglich der Richtige für diesen Film sein! Andererseits hatte der gleiche Mann Drehbücher zu so düsteren und phantastischen Filmen wie «Gremlins», «Goonies» und «Young Sherlock Holmes» geschrieben und mit seinem ersten Film «Adventures in Babysitting» gezeigt, dass er mit dieser Art von Geschichten umgehen konnte. Im nachhinein kann Warner für diesen Entscheid nur gratuliert werden, denn Columbus war die richtige Wahl.
Chris Columbus und auch Joanne K. Rowling betonten immer wieder, dass sich der Film sehr eng an die Romanvorlage halten werde, denn etwas anderes hätten die Fans gar nicht akzeptiert und so zieht der Film den Zuschauer bereits nach wenigen Minuten in seinen Bann. Von einem Augenblick zum anderen wird die eigene Fantasie Realität und Harry Potter und alle anderen Figuren erwachen endgültig zum Leben. Dem Zuschauer eröffnet sich das Reich der Magie und Zauberei auf so fantastische und gleichzeitig realistische Art und Weise, wie man es bisher nur sehr selten in einem Film erleben konnte. Die Winkelgasse, die Bank der Kobolde, der Bahnhof King's Cross mit seinem Gleis 9 ¾ und selbst Hogwarts, all diese Orte wirken glaubwürdig und echt, als wenn sie wirklich in einer Welt nebenan existieren würden. Trotz der unzähligen Special Effects behält Columbus die Geschichte im Griff und die Figuren im Mittelpunkt, und so verliert diese schöne Geschichte nie ihren besonderen Zauber, den bisher nur die Leser der Bücher erleben durften. Einer der Höhepunkte des Films ist das grosse Quidditch Spiel, ein Spiel, das in der Luft auf fliegenden Besen gespielt wird. Hier zeigen die Zauberer an den Computern was in ihnen steckt. So spannend und temporeich ist dieses Spiel in Szene gesetzt, man vergisst, dass die meisten Aufnahmen digital hergestellt wurden. Zu den Darstellern ist zu sagen, dass Daniel Radcliffe als Harry Potter etwas blass wirkt, ganz im Gegensatz zu seinen zwei Freunden im Film, Rubert Grint (Ron Weasley) und Emma Watson (Hermine Granger). Die beiden Jungendlichen spielen ihn glatt an die Wand, vor allen Emma ist mit ihrer ganzen Ausstrahlung und auch durch ihre nicht ganz kantenlose Rolle einfach göttlich. Trotzdem ist Radcliffe für die Titelrolle ein gute Wahl. Er besitzt durchaus noch Potential und auch in den Büchern entwickelt sich Harrys Persönlichkeit erst von Band zu Band. Auch die anderen Rollen mit Stars wie Richard Harris, Robbie Coltrane, John Hurt, Alan Rickman, Maggie Smith oder Ian Hart sind gut besetzt. Die 2 1/2 Stunden vergehen wie im Fluge. Der Showdown am Ende des Films könnte aber trotzdem dem einen oder anderen kleinen Harry Potter-Fan einen Schrecken versetzen, denn auf der grossen Leinwand wirken manche Szenen oft härter und bedrohlicher, als wenn man sie liest.
Eine liebevoll inszenierte Romanverfilmung und der erste Blockbuster in dem 'blockbusterreichen' Jahr 2001, der auch hält was er verspricht.