American Pie 2 - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2001) |
| Genre: | Comedy |
| Regie: | James B. Rogers (II) |
| Kinostart: | 27.09.2001 |
| 17.10.2001 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Adam Herz |
| David H. Steinberg |
Überreste aus der Jokebox
Das Dreamteam von «American Pie», dem Überraschungshit des US-Kinosommers 2000, ist zurück und nicht viel hat sich verändert. Jim und seine Freunde sind ein Jährchen älter geworden und hecheln weiterhin nach dem ultimativen Sexerlebnis. Da Jim noch immer nicht gelernt hat, sich genügend gegen Schlafzimmer-Eindringlinge abzusichern, werden uns trotz ausbleibendem Apfelkuchen (dafür vergreift sich unser Held an etwas viel Schlimmerem...) einmal mehr Peinlichkeiten vom Feinsten serviert.
Nachdem die Schöpfer von «American Pie» mit ihrer Fusion von Teenie- und Sexkomödie neue Massstäbe für das Genre setzen konnten, verwenden sie für die Fortsetzung eine nahezu identische Rezeptur. Der Erfolg scheint ihnen zumindest an den US-Kinokassen Recht zu geben, denn der frischgebackene «American Pie 2» verspricht noch goldigere Zahlen einzuspielen als sein Vorgänger. Regie führte James B. Rogers, die Dialoge stammen weiterhin aus der Feder von Adam Herz, der seinen Charakteren auch nach einem Jahr College so gut wie keine Entwicklungssprünge zugesteht.
Jim (Jason Biggs) versucht eifrig durch Nachhilfeunterricht bei «band geek» Michelle (Alyson Hannigan) seine sexuellen Ängste in den Griff zu kriegen, um für das grosse Date mit der Austauschschülerin Nadia (Shannon Elisabeth, die schon im Original als sein Internet-Co-Star brillierte) gewappnet zu sein. Während seine Fortschritte in der Disziplin Brustabtasten zu Wünschen übrig lassen, schlägt auch der väterliche Sexualunterricht des Möchtegern-Daddy-Cool (Eugene Levy) weiterhin fehl. Finch (Eddie Keye Thomas) bereitet sich seinerseits mit «tantrischen» Aktivitäten auf die langersehnte Wiedervereinigung mit Stiflers Mom vor. Mit der verstärkten Leinwandpräsenz des Sohnemanns der Sexgöttin (Seann William Scott alias Steve Stifler) beweist Drehbuchautor Herz sein Gespür für Komik; der Sprücheklopfer bekommt mehr Dialogzeilen als all die weiblichen Stars zusammen (manche ihrer Auftritte sind so kurz, dass man sie mit einem Blick auf das Popcorn glatt verpassen könnte) und ist zusammen mit Jim für die grössten Lacher verantwortlich. Oz (Chris Klein) der sich vom sportlichen Casanova mit unvergesslichen Aufreisssprüchen à la 'suck me, beautiful' zum selbstgefälligen Traumschwiegersohn gemausert hat, übt sich mit seiner Partnerin Heather (Mena Suvari) in Telefon-Sex. Diese hat seit ihrer Rolle als Kevin Spaceys Objekt der Begierde in «American Beauty» sichtlich Mühe, zu ihrem Unschuldsimage zurückzufinden; ihre Augenaufschläge wirken aufgesetzt und die ach so süssen Liebeleien mit 'handsome' Oz entlocken uns höchstens noch ein müdes Gähnen.
Rogers und Herz setzen auch im zweiten Teil vollständig auf die erprobte Dynamik von Blödeleien und sexuellen Peinlichkeiten. Die Dialoge sind noch etwas freizügiger, die Jokes noch ekliger geworden; Gefühle und Feinheiten der einzelnen Beziehungen bleiben hingegen auf der Strecke. Trotzdem gilt: Wer das erste Stück Apfelkuchen gut verdaut hat, dem wird auch vom zweiten nicht schlecht werden. Die Lachmuskeln werden weiterhin strapaziert, und die Déjà-vus, obwohl zu zahlreich, behalten durchaus ihre Frische. Ahnungslosen sei der Sprung ins kalte Wasser empfohlen. Ignoriert es einfach, wenn sich die Sitznachbarn vor Lachen krümmen und Ihr keinen Schimmer habt weshalb... Der vorherige Genuss des Originals könnte hingegen den Nachteil haben, dass auch Euch während «American Pie 2» das ungute Gefühl überkommt, die Macher hätten eine gut gelungene Mahlzeit nochmals aufgewärmt, und das macht das Resultat etwa so appetitlich wie den missbrauchten Apfelkuchen des Vorgängers. [Sascha Lara Bleuler]
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