CH.FILM

La chimera Frankreich, Italien, Schweiz 2023 – 134min.

Filmkritik

Auf der Suche nach der verlorenen Liebe

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nach «Land der Wunder» und «Lazzaro felice» beschliesst Alice Rohrwacher eine lose verbundene Trilogie über das Leben auf dem Land – immer verbunden mit Bezügen zur Vergangenheit – mit der Tragikomödie «La chimera». Kino, das konventionellen Pfaden folgt, umgeht die italienische Filmemacherin dabei konsequent.

Frisch aus dem Gefängnis entlassen, zieht es den Ausländer Arthur (Josh O’Connor) zurück in seine bescheidene Behausung am Rande einer kleinen italienischen Stadt in der antiken Landschaft Etruriens am Tyrrhenischen Meer. Wie vor seiner Haft hilft der junge Mann einer Bande von Grabräubern, alte Kammern aufzuspüren. Parallel lernt er in der maroden Villa von Flora (Isabella Rossellini), der Mutter seiner verstorbenen grossen Liebe, die lebenslustige Aushilfe Italia (Carol Duarte) kennen.

Von Anfang an umweht die Hauptfigur Weltschmerz und ein Hauch des Todes. Arthur hat etwas Kostbares verloren, kann seine Partnerin nicht loslassen und sucht daher geradezu zwanghaft den Weg in den Untergrund, in die etruskischen Gruften, wo er eine Verbindung zum Jenseits herstellen möchte. Mythologische Verweise und philosophische Überlegungen webt Rohrwacher permanent in das Geschehen ein, das sich einer klassischen Dramaturgie entzieht.

«La chimera» ist deswegen nicht handlungsgetrieben, sondern fliesst dahin, besteht aus vielen Momenten, in denen es vor allem um die Stimmung geht. Das Interesse des Films gilt dem Lebensgefühl, den Träumen der auftretenden Aussenseiter. Arthur und seine Grabräuberfreunde, tombaroli genannt, bilden eine skurrile Gemeinschaft, die ein magischer Realismus umgibt. Zum Bruch mit Gewohnheiten kommt es, kein Wunder, auch auf formaler Ebene. Immer wieder spielt die Regisseurin mit verschiedenen Filmformaten und lässt die Kamera ausgefallene Bewegungen vollführen.

09.10.2023

3.5

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Kommentare

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thomasmarkus

vor 3 Monaten

Irgendwie operesk. Die Rückblenden (?) im quadratischen Format erschliessen sich erst nach und nach, wenn überhaupt. Eine Art 'Italienisch für Nicht-Italiener'...


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