Review22. Februar 2023

Berlinale 2023: «Ming On»: Die Verhinderung eines Mordes

Berlinale 2023: «Ming On»: Die Verhinderung eines Mordes
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«Der Weg mag vorgezeichnet sein, wir entscheiden aber, wie wir ihn gehen», das ist ein Zitat aus dem Action-Thriller von Soi Cheang, der bereits mit seinem Vorgängerfilm «Limbo», einem äusserst stilsicheren Racheepos, 2021 auf der Berlinale vertreten war. Auch «Ming On» ist ein rundum perfekter Film.

«Ming On»: Die Verhinderung eines Mordes

Soi Cheang | 108 Min.

Ein Text von Teresa Vena

Siu (Lokman Tiung) arbeitet als Lieferbote. Als er mit seiner Bestellung irrtümlich an der falschen Tür klingelt, wird er Zeuge eines brutalen Mordes an einer Sexworkerin. Dieses Ereignis wühlt ihn völlig auf, es erfasst ihn eine unbändige Tötungslust. Davon werden ein Ermittler (Berg Ng) sowie ein Feng Shui-Meister (Lam Ka Tung) Zeugen. Beide haben vor, Siu an der Ausführung dieser Gedanken zu hindern. Der Ermittler erinnert sich an die Katze, die Siu brutal ermordet hatte und weswegen er schon mehrere Jahre im Gefängnis war. Dorthin gehört für ihn Siu für den Rest seines Lebens.

Der Feng Shui-Meister ist sich seinerseits sicher, dass er das bevorstehende unheilvolle Schicksal Sius noch ändern kann. Also beginnt er, mit einer Reihe von Ritualen, die die göttliche Energie besänftigen sollen: Siu darf nur noch dunkle Kleidung tragen, er muss ein Gefäss mit Urin in die Ecke seines Zimmers stellen, er braucht eine neue Frisur und muss einen Spiegel über die Haustüre platzieren. Die Mischung mache es aus....

Wie bereits Soi Cheangs Vorgängerfilm «Limbo», ein äusserst stilsicheres Racheepos, das 2021 auf der Berlinale vertreten war, so ist auch «Ming On» ist ein rundum perfekter Film: Dicht inszeniert, eine sinnliche Bildsprache (selbst die schlecht animierte Katze passt hinein), eine ungewöhnliche und intelligente Auswahl und Verwendung von Musik, aussergewöhnliche Figuren und viel (schwarzer) Humor.

Tatsächlich ist die grösste Stärke des Films, dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt. Spürbar ist die Selbstironie der Macher, die sich in den Dialogen mit ihren Pseudo-Lebensweisheiten und den vielen überhöhten und wenig glaubwürdigen Wendungen der Geschichte widerspiegelt. Der Film steht eindeutig in der Tradition des aktionistischen Hong Kong-Kinos, dessen meisterlicher Vertreter Johnnie To ist. To fungiert bei «Ming On» im Übrigen als Produzent, was die Parallele des Films zu Tos eigenem Meisterwerk «Mad Detective» noch weniger überraschend macht.

5 von 5 ★

Eine Zusammenstellung aller Texte der 73. Berlinale findest du hier.

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