Hard Stop
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Filmkritik

Unterleib und Überbau

Vom Verleih als «Skandalfilm» angepriesen, ist man als Rezensent fast geneigt, angesichts unbeholfener Machart und inhaltlicher Belanglosigkeit von Sascha Weibels Erstling, den Skandal eher darin zu sehen, dass er es ins reguläre Kinoprogramm geschafft hat. Doch damit täte man den ambitionierten Anstrengungen eines älteren Jungfilmers dann doch wieder unrecht.

Gemäss «Investopedia», der Internet-Terminologie-Bibel für Finanzmenschen, bezeichnet «Hard Stop» einen Verkaufsvorgang, der automatisch einsetzt, wenn ein Kursverlust einen gewissen Punkt erreicht hat. Im Zürcher Bankermilieu beginnt die Geschichte um den gestressten jungen Finanzfachmann Dante (Matthias Britschgi), der soeben von seiner Freundin für einen finanziell weit potenteren Bankheini verlassen worden ist. Kaum ist der lautstark auf der Strasse ausgetragene Knatsch zwischen Dante und seiner Ex zu Ende, tritt schon - oh Wunder - die schöne und geheimnisvolle Rhea (Nina Langensand) auf den Plan und macht den sich seinem Liebesleid hingebenden Jungmann an. Dieser ist zwar noch einen Moment lang verdattert angesichts von Rheas Draufgängertum und zögert, doch schon wenig später liegt man gemeinsam auf einem Tisch in Dantes halb ausgeräumter Wohnung an bester Lage am Zürcher Bellevue und Koitus Nummer eins kann beginnen.

Dieser einigermassen explizit gezeigten Kopulation folgen in den darauffolgenden 90 Filmminuten dann noch zwölf weitere, als Episoden rückwärts nummeriert und einigermassen abwechslungsreich gestaltet: Mal von vorne, mal von hinten, mal mit gemeinsamem Höhepunkt, mal ohne, bald sanft-verspielt, bald hart-nötigend. Bei einer der ersten dieser sexuellen Begegnungen erfährt Dante von Rhea - die sich krampfhaft bemüht, so etwas wie eine «Femme fatale» zu sein - dass sie nur mit ihm spielen möchte, und dass sie die Regeln des Spiels festlege und dass nach zwölf Mal Schluss sei. Weiter erfährt man dann noch, dass Rhea mit einem reichen alten Mann verheiratet ist; und irgendwann wird auch noch klar, dass sie für diesen die erotischen Dates mit Dante mittels ihrer Handykamera filmt.

Wirtschaft, Religion und Politik dienten nur einem einzigen Zweck: zu verschleiern, dass es in unserer Gesellschaft nur um Geld und Sex geht. Mit diesen Worten lieferte Regisseur Sascha Weibel an den diesjährigen Solothurner Filmtagen den Überbau zu seinem Erstling, den er in erster Linie als Film verstanden haben will, in dem es um die Liebe geht und um die Schwierigkeiten damit. Weibel hat Hard Stop mit einem Minimalbudget realisiert und er hat sich redlich bemüht, aus seiner minimalistischen Story ein Fünkchen Transzendenz herauszuholen. Doch angesichts ziemlich hölzerner Dialoge voller küchenpsychologischer Gemeinplätze und der schauspielerischen Begrenztheit seines Darstellerpaares bleibt als Gesamteindruck von Hard Stop doch eher der einer ziemlich banalen Männerfantasie eines nicht mehr ganz jungen Mannes, der sich hier den Wunsch erfüllen konnte, einem 26-jährigen Mann und einer 28-jährigen Frau beim Sex zuzusehen.

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Mein Kommentar
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2 Kommentare
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msv

Sehr speziell aber der Hammer... Müssen wir uns dann auf DVD zulegen.
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Ossskar

Hemmungslos mutig... und alles auf Schweizerdeutsch

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