Ai Weiwei: Never Sorry
Home Cinema
70
user

Filmkritik

Gesellschafts(über)lebenskünstler

Das ist echte Chuzpe: Alison Klayman wählte für ihren ersten Film mit Ai Weiwei wohl den Künstler mit dem weltweit höchsten Bekanntheitsgrad. Die junge Journalistin berichtete von den Olympischen Spielen 2008 in Beijing, wo sie auch mit ihrem Porträt Ai Weiweis begann, das sie erst 2011 abschloss. Die Gespräche mit dem Künstler, seinen Kollegen und Kennern der Szene werden um Bilder einiger seiner Werke und Aufzeichnungen einiger seiner Aktionen ergänzt.

Dieser Mann ist ein Phänomen: Über 50 Jahre alt, nutzt er die modernen Medien wie YouTube und Twitter virtuos, reüssiert im abgehobenen westlichen Kunstmarkt und kämpft für Informationsfreiheit wie der legendäre Robin Hood gegen einen übermächtigen Staatsapparat. Mit seinem Charisma kann er Gesprächspartner wie Publikum von seinen Anliegen überzeugen und für seine Ziele begeistern.

Diese Seite seines Wesens und Wirkens hat Alison Klayman in ihrem Langzeitprojekt gut abgebildet. Sie und ihre Kamera wurden Teil von Ais Lebensumfeld und begleiten ihn sogar bei privaten Treffen, die nicht Teil seiner künstlerischen und regimekritischen Aktivitäten sind. So lernt man den Menschen Ai Weiwei ein wenig kennen und mit Hilfe seiner spärlichen, aber präzisen und durchdachten Bemerkungen sogar ein wenig verstehen.

Es wäre allerdings vermessen, nach dem subjektiv selektierten und präsentierten Material, ein Urteil über die Qualität seines Werkes und seiner gesellschaftlichen Bedeutung abgeben zu wollen. Das kann man aber nicht nur dem Film ankreiden, denn eine derart komplexe und reife Persönlichkeit lässt sich nicht in eineinhalb Stunden umfassend porträtieren. Man kann aber handwerkliche Mängel wie schlampige Schnitte monieren und ein leises Bedauern anmelden, dass aus diesem dankbaren Sujet nicht mehr als eine biedere Dokumentation gewonnen wurde. Die typischen Gespräche mit einstigen Weggefährten und Kunstsachverständigen sind leider nicht annährend so originell oder erhellend wie Ai selber.



Obwohl man die gesamte Zeit über gut unterhalten wird, liegt die Messlatte durch die Ausnahmeerscheinung Ai hoch, und das Risiko des Scheiterns blitzt unvermutet an anderer Stelle auf. Trotzdem darf man diesem Werk ein zahlreiches Publikum wünschen, denn wie sonst bekommt man einen Eindruck davon, wieviel Ai mit seinen permanenten Provokationen riskiert, die auch in unserer Gesellschaft anecken, wie die Zensur seiner Berner Ausstellung 2005 bewies.

Mehr Filmkritiken

Iron Man 3

Im dritten Teil der Comic-Verfilmung muss Robert Downey Jr. als gepanzerter Superheld gegen Ben Kingsley kämpfen. mehr...

The Hangover Part 3

Der Rausch ist vorbei: Teil drei der Junggesellen-Buddy-Reihe versucht sich als flotte Action-Komödie. mehr...

Fast and Furious 6

Teil 6 der «Fast and Furious»-Reihe: Vin Diesel, Paul Walker und Dwayne Johnson führen einen automobilen Krieg. mehr...

The Great Gatsby

Leonardo DiCaprio, Carey Mulligan und Tobey Maguire in Baz Luhrmanns Adaption des Romanklassikers von F. Scott Fitzgerald. mehr...

Epic 3D

Teenager entdeckt im Wald eine geheimnisvolle Welt und braucht die Hilfe von lustigen, skurrilen Wesen, um deren Reich zu retten. mehr...

Star Trek Into Darkness

Fortsetzung der Science-Fiction-Franchise - wieder unter der Regie von J.J. Abrams und erstmals in 3D. mehr...

Side Effects

Pharma-Thriller in bester Hitchcock-Manier von Steven Soderbergh. Mit Jude Law und Rooney Maria. mehr...

Scary Movie 5

Zum fünften Mal werden Teeniehorrorfilme durch den Fleischwolf gedreht und als Parodie serviert. Diesmal mit Lindsay Lohan und Charlie Sheen. mehr...

Community

SEAT Movie Charts
5
9
4
5
3
8
2
2
1
2
3.7
26 User
Mein Kommentar
member img
3 Kommentare
member img
KingMaxi

läst ein echt gut nachdenken
member img
Isabelle

mehr als lohnenswert
member img
Petra

genial

SEAT Movie Charts

Erfahre mit den SEAT Movie Charts, welches die beliebtesten Kinofilme der Schweiz sind!

Bewerte und kommentiere selber Kinofilme und gewinne mit etwas Glück einen SEAT New Leon.

  = miserabel
  = kaum sehenswert
  = Mittelmass
  = gut
  = Meisterwerk