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Filmkritik

Rostlaube als Star-Vehikel

Wollen Catherine Deneuve und Milos Forman der Karriere von Deneuves Tochter Chiara Mastroianni mit einer Hauptrolle neuen Schub verleihen? Ein schrecklicher Verdacht! Umso wichtiger wären dann aber eine packende Handlung und psychologisch verständliche Figuren. Leider hat man gerade da gespart, wo es am wengisten nützt, aber am meisten schadet: am Drehbuch. Dass auch noch «gesungen» wird, macht die Sache nicht besser.

Die Geschichte schleppt sich über zwei Generationen vom Prager Frühling bis zu den Anschlägen von 9/11. Madeleine (in jungen Jahren Ludivine Sagnier, später Catherine Deneuve) lässt sich von einem tschechischen Zahnmedizinstudenten (in jungen Jahren Radivoje Bukvic, später Milos Forman) die Tochter Véra (in jungen Jahren Clara Couste, später Chiara Mastroianni) anhängen.

Nach einem Intermezzo in Prag kehrt sie mit ihrer Tochter, aber ohne deren Vater nach Paris zurück und lässt sich mit einem Polizisten ein, um finanziell gesichert zu sein. Rund 20 Jahre später sind die Eheleute in die französische Provinz gezogen, während Véra, nun schon über 30 Jahre alt und immer noch auf der Suche nach der wahren Liebe, sich in einen schwulen US-Amerikaner verkuckt, ohne dass sich daraus eine Perspektive ergäbe. Noch dazu taucht ihr Vater aus Tschechien auf und bandelt mir ihrer Mutter an, was die Situation nicht vereinfacht.

Einfach hat es allerdings auch das Publikum nicht: Es ist viel von Liebe und Gefühlen die Rede, spüren oder gar auf der Leinwand erleben, kann man sie nicht. Wenn man einmal von psychologisch unplausiblen Konstellationen wie derjenigen absieht, dass sich eine Beziehung ohne Kontakt entwickelt oder nur aufrecht erhalten lässt, was hier gleich zwei der postulierten Paare betrifft, so ächzt die Logik auch unter den konstruierten «Zufällen» und den gewaltsam einbezogenen historischen Umständen.

Regisseur und Drehbuchautor Christophe Honorés Lieblosigkeit zeigt sich an Details: Die Autos in den wenigen Szenen aus den 60er-Jahren sind allesamt blitzblank; wenn gesungen wird, bleiben Mimik und Gestik der Darstellerinnern davon unberührt. Der Musikmix ist zudem unerträglich: Den banalen Neukreationen im Stile französischer Chansons der 60er- und 70er-Jahre, aber ohne deren Originalität, stehen höchstwertige Werke des französischen Frühbarocks gegenüber, die wohl nur von einem kleinen Teil des Publikums geschätzt und szenengemäß interpretiert werden können. Totalschaden.

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1 Kommentare
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julie93

Also ich habe den Film gesehen und finde ihn super! Er entspricht genau dem, was ich erwartet habe. Typisch Französisch halt; -) Und an alle: lasst Euch von der Filmkritik nicht verwirren, es ist ni...
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