The Way Back - Filmkritik
| Aka Titel: | The Way Back - Der lange Weg |
| Land (Jahr): | USA (2010) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 133min |
| Regie: | Peter Weir |
| Kinostart: | 12.05.2011 |
| 26.01.2011 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Slavomir Rawicz |
Der lange Marsch
Peter Weir meldet sich zurück - nach sieben Jahren. Aber die lange Wartezeit hat sich gelohnt: Der Australier packt einen unglaublichen Überlebenskampf in realistische Bilder und zelebriert die Kraft des menschlichen Willen.
1940. Sieben Gefangene brechen aus einem sibirischen Arbeitslager aus. Dabei ist das Entkommen aus dem tödlichen Gulag noch das kleinste Problem: Die Männer müssen zu Fuß und ohne Ausrüstung eine schier unüberwindbare Strecke zurücklegen: Ihr Ziel ist das über 6.000 Kilometer entfernte Indien. Die Gruppe um Mr. Smith (Ed Harris), Valka (Colin Farrell) und Janusz (Jim Sturgess) muss neben Hunger und Durst der wilden Tundra Sibiriens, den Sandstürmen der Wüste Gobi sowie der Eiseskälte des Himalaya trotzen.
Peter Weirs Gesamtwerk ist quantitativ überschaubar, qualitativ jedoch von höchster Güte. Auch The Way Back reiht sich in seine großen Werke ein. Und das, obwohl der Film über ein paar Schwächen verfügt. In erster Linie sticht ins Auge, dass die Figuren rund um Janusz kaum entwickelt sind, aber das passt insofern, als dass die Flüchtlinge keinerlei private Gespräche führen. Erst als Saoirse Ronan ins Spiel kommt, verändert sich die Dynamik der Gruppe auf interessante Weise. Das Jungtalent hat auch die kraftvollste Rolle abbekommen, spielt mit einwandfreiem Akzent und strahlt nicht nur Jugendlichkeit aus, sondern sorgt für eine Emotionalität, die der Film dringend benötigt.
Die lange Reise, die die Männer hier auf sich nehmen, wird von Weir auf recht intime Art und Weise dargestellt. Die Kamera bleibt zumeist nahe an den Figuren, nur selten wird ihre Reise aus weiter Entfernung gezeigt. In diesen Momenten wird für den Zuschauer auch fassbar, welch unglaubliche Strecke diese Menschen zu Fuß hinter sich bringen und wie unbarmherzig unsere schöne Erde sein kann. Weir setzt in The Way Back auf absoluten Realismus. Das heißt, er zeigt den Kampf ums Überleben - auch das Sterben - in Bildern, die bis an die Schmerzgrenze gehen.
Der Einsatz der Kamera ist ebenso phantastisch wie der der Musik, die sich nie aufdrängt und weiß, wann sie verklingen muss, um einer Szene noch größere Wirkung zu verleihen. So wird der Film auch zu einer Erfahrung für den Zuschauer und wirkt aller Tragik zum Trotz inspirierend. Denn ebenso wie das Buch, auf dem er basiert, schafft es der Film zu zeigen, dass der menschliche Wille kaum gebrochen werden kann - und beseelte Menschen buchstäblich Berge versetzen können. [Peter Osteried]
weitersagen


