David Wants to Fly - Filmkritik
| Land (Jahr): | Österreich, Deutschland, Schweiz (2010) |
| Genre: | Documentary |
| Regie: | David Sieveking |
| Kinostart: | 06.05.2010 |
| Drehbuch: | David Sieveking |
| Kamera: | Adrian Stähli |
| Produktion: | Martin Heisler |
Erleuchtung der anderen Art
Der Berliner Jungregisseur David Sieveking versucht, seine Schaffenskrise durch Meditation zu überwinden. Auf der Suche nach der Erleuchtung begegnet er einem zwielichtigen Guru, trifft fanatische Sektenanhänger und entzaubert David Lynch.
David Sieveking steckt in einer Schaffenskrise. Also fragt er sein Idol David Lynch um Rat: Der Altmeister empfiehlt seinem Jünger die Transzendentale Meditation (TM) zu erlernen. Das würde nicht nur den kreativen Fluss ermöglichen, sondern ihn auch mit Glückseligkeit erfüllen. Ohne Vorbehalte und mit einer gewissen Naivität probiert Sieveking Lynchs «Geheimrezept» aus. Und tatsächlich: Während der Meditation fühlt er sich wunderbar ruhig und verbunden mit der Welt. Eigentlich ein Happy End - doch der Film schlägt eine andere Richtung ein.
Sieveking taucht immer tiefer in die Organisation der TM ein. Langsam kristallisiert sich die sektenartige Struktur dieser Gruppierung heraus, die ihre Popularität vor allem dem Guru Maharishi Mahesh Yogi verdankt. Von ihm erhofften sich schon die Beatles in den 1960ern Erleuchtung und Weisheit. Neben Paul McCartney und Ringo Starr ist auch David Lynch als Werbeträger für die TM unterwegs. Er legt auf dem Berliner Teufelsberg den Grundstein für einen «Turm der Unbesiegbarkeit» und reist zur Beerdigung Maharishis nach Indien.
Sieveking entlarvt Lynch in Gesprächen als typischen Sektenanhänger, der längst in seiner eigenen kleinen Welt lebt. Auch das Bild des Maharishis - auf Fotos stets gütig lächelnd - erhält zunehmend Risse: Zum Vorschein kommt ein geldgieriger und skrupelloser Strippenzieher, der das Zölibat predigte während er sich unzählige Geliebte hielt, wie Sieveking in Interviews mit Aussteigern und ehemaligen Vertrauten des Gurus erfährt. Und es kommt noch schlimmer, als er ein Meditationsgelände in Indien besucht. Hier soll mit Hilfe von Yogis eigentlich der Weltfrieden herbeimeditiert werden. Doch die Gebäude stehen leer, die Spendengelder sind verschwendet. Sieveking macht sich ernüchtert auf in den Himalaya und findet endlich, was die TM ihm nicht geben konnte.
Sievekings Dokumentation nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise, bei der Idole entzaubert und Organisationen entlarvt werden. Die bizarren Interviews mit David Lynch bleiben als echtes Highlight in Erinnerung, die frische Herangehensweise lässt über einige Längen des Films hinwegsehen. Der investigative Einsatz erinnert an Michael Moore, jedoch verzichtet Sieveking auf Skandalisierung und Effekthascherei. Ihm ist ein stimmiger, sehr persönlicher Film vor allem für Lynch- oder Meditationsinteressierte gelungen. Allein seine unsymphatische und affektierte Freundin, die immer mal wieder auftaucht, wenn der vermeintliche Beziehungsalltag nachgestellt wird, hätte man nicht vermisst. [Lynn Scheurer]
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Nic: Mag der deutsche Jungregisseur am Anfang des Films... |

