Verblendung - Filmkritik
| Land (Jahr): | Dänemark, Deutschland, Schweden (2009) |
| Genre: | Mystery, Thriller |
| Filmlänge: | 152min |
| Regie: | Niels Arden Oplev |
| Kinostart: | 15.10.2009 |
| 13.05.2009 (Romandie) | |
| 29.05.2009 (Tessin) |
Der Journalist und die Hackerin
Jenseits von «Harry Potter» und «Twilight» wurde vermutlich kaum eine Bestsellerverfilmung in den letzten Jahren so sehnsüchtig erwartet wie «Verblendung», dem ersten Teil von Stieg Larssons sensationell erfolgreicher «Millennium»-Trilogie. Mehr als 15 Millionen Mal verkauften sich die Romane des 2004 verstorbenen schwedischen Journalisten - weswegen die Handlung einem Grossteil des Kinopublikums bereits bekannt sein dürfte.
Der aufrechte Enthüllungsjournalist Mikael (Michael Nyqvist aus «As It Is in Heaven») muss nach juristischen Schwierigkeiten kürzer treten. Da kommt ein ungewöhnliches Angebot gerade recht: er lässt sich von einem reichen Industriellen anheuern, um in der schwedischen Provinz das 40 Jahre zurückliegende Verschwinden von dessen Lieblingsnichte zu untersuchen und in dunklen Familiengeheimnissen zu wühlen.
Es dauert nicht lange, bis er bei seinen Nachforschungen immer gefährlichere und mysteriösere Entdeckungen macht. Doch bald bekommt er unerwartete Unterstützung von der begnadeten Hackerin Lisbeth (Noomi Rapace), die selbst schon so manche Seelenpein mit sich herumträgt. Lisbeth trägt die Haare kurz und den Lidstrich dunkel, ist sowohl tätowiert als auch gepierct und steigt hin und wieder auch mit Frauen ins Bett.
Es ist in «Verblendung» unschwer zu erkennen, dass der TV-Krimi-erfahrene Regisseur Niels Arden Oplev sich dramaturgisch wie visuell an amerikanischen Vorbildern orientiert. Vorwerfen mag man ihm das kaum, denn tatsächlich kann sein mit gut zweieinhalb Stunden etwas zu langer Film mit Thrillern aus Hollywood locker mithalten, sowohl was die eleganten Bilder und den effektiven Score als auch die beträchtliche Spannung angeht.
Das grosse Kapital der Geschichte sind allerdings die Titelheldin (wobei der Originaltitel eigentlich «Män som hatar kvinnor», also «Männer, die Frauen hassen» lautet) und ihre überzeugende Darstellerin. An ihr werden gleichzeitig allerdings auch die Schwachstellen des Films offensichtlich. Denn weil man, anders als im Buch, nicht an Lisbeths Innenleben teilhaben kann, bleibt manches (wie ihre Beziehung zu Mikael) rätselhaft bis fragwürdig - und das eine oder andere Trauma ihrer Vergangenheit etwas dick aufgetragen. Doch die Fans des Romans wird das ebenso wenig stören wie die Tatsache, dass es sich bei «Verblendung» allzu offensichtlich um den ersten Teil einer Fortsetzungsgeschichte handelt und man deshalb hin und wieder ein wenig in der Luft hängen gelassen wird. Im Gegenteil dürfte gerade bei ihnen die Vorfreude auf Teil zwei, der in Schweden bereits angelaufen ist, und drei umso grösser sein. [Patrick Heidmann]
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