Mary and Max - Filmkritik
| Aka Titel: | Mary und Max |
| Land (Jahr): | Australien (2009) |
| Genre: | Animation, Comedy, Drama |
| Filmlänge: | 92min |
| Regie: | Adam Elliot |
| Kinostart: | 05.11.2009 |
| 30.09.2009 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Adam Elliot |
Brieffreundschaft mit Folgen
Ein kleines Mädchen in Australien und ein Aussenseiter in New York beginnen eine Brieffreundschaft - mit Folgen: ausgezeichneter Trickfilm für ein älteres Publikum von «Oscar»-Gewinner Adam Elliot.
Die achtjährige Mary Daisy Dinkle lebt mit ihren Eltern in einem Vorort von Melbourne. Die Mutter trinkt, raucht und stiehlt. Der Vater glänzt durch Abwesenheit, indem er sich lieber seinen kruden Hobbys widmet, als sich um die Tochter zu kümmern. Mary hat keine Freunde und wird wegen eines riesigen Muttermals von ihren Schulkameraden gehänselt.
Durch einen Zufall kommt das Mädchen zu einem Brieffreund, der in New York lebt. Der 44-jährige Max Jerry Horrowitz ist übergewichtig und leidet an dem Asperger-Syndrom, einer Variante des Autismus. Die Krankheit - er selbst mag sie nicht als solche bezeichnen - verunmöglicht es ihm, soziale Bindungen einzugehen. Doch das ändert sich mit Marys Brief; die beiden Aussenseiter finden zueinander.
Der australische Regisseur Adam Elliot wurde mit dem Oscar prämierten Kurztrickfilm «Harvie Krumpet» berühmt. Wie bei seinem preisgekrönten Vorgänger greift der 37-Jährige auch bei seinem ersten abendfüllendem Film das Thema der gesellschaftlichen Aussenseiter auf. Er tut dies in einer erfrischenden Art und Weise; manchmal bitterböse, dann tragikomisch und stellenweise auch Herz zerreisend melodramatisch. Er zeigt seine Figuren nicht ausschliesslich als Opfer ihrer Umstände, sondern auch als ganz normale Menschen mit ihren Fehlern und Schwächen. Schön zeigt das die Szene, in der Max einen Obdachlosen einschüchtert - einen Menschen also, der in der gesellschaftlichen Hierarchie noch unter ihm rangiert. In diesen Momenten ist «Mary and Max» so weit weg von moralinsauren Hollywood-Melodramen wie nur möglich.
Auch technisch ist der Film ein kleines Meisterwerk. Die Puppen aus Knet, Ton und anderen Materialen bewegen sich geschmeidig, die Umwelt erscheint detailliert und liebevoll. Die Farbgestaltung ist äusserst kreativ und richtet sich nach dem Gemütszustand der Charaktere; so bringt Mary sprichwörtlich einige Farbtupfer in Max' Leben.
[Marius Gartmann]
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