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Lourdes - Filmkritik

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Land (Jahr): Österreich, Frankreich, Deutschland (2009)
Genre:Drama
Filmlänge:96min
Regie:Jessica Hausner
Kinostart:25.02.2010
 27.07.2011 (Romandie)
 02.04.2010 (Tessin)

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Hoffen auf ein Wunder

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Gibt es Gott und greift er in das Leben und die Welt ein oder ist alles Zufall? Darf man berechtigt hoffen und was ist letztlich der Sinn des Lebens? Ohne viel Worte, aber in ebenso knapper wie präziser Bildsprache wirft Jessica Hausner vor dem Hintergrund des Wallfahrtsbetrieb im südfranzösischen Lourdes existentielle Fragen auf.

Bildgalerie

Emotionslos und distanziert begleitet die Österreicherin Jessica Hausner eine Pilgergruppe während ihres Aufenthalts im Wallfahrtsort Lourdes. Über die Geschichte des Ortes erfährt man so wenig wie über die Biographie der Reisenden. Hausners Blick ist wie der ihres Landsmanns Ulrich Seidl dokumentarisch. Ganz beiläufig bietet sie einen von trockenem Humor durchzogenen Einblick in den Wallfahrtsbetrieb. Echter Glaube trifft dort auf die Kommerzialisierung desselben, da werden Hoffnungen geschürt und damit ein Geschäft gemacht. Den Pilgern werden Filme von Krankenheilungen vorgeführt; gleichzeitig scheinen die Priester selbst nicht an die Marienerscheinung zu glauben.

Lourdes dient Hausner nicht als fotogener Hintergrund, sondern als widersprüchlicher Resonanzboden, der meisterhaft mit der Handlung verwoben ist. Im Mittelpunkt steht die 33-jährige Christine (Sylvie Testud), die an multipler Sklerose leidet und vom Hals abwärts gelähmt ist. Nicht die Hoffnung auf ein Wunder, sondern der Wunsch, unter Menschen zu sein, hat sie die Wallfahrt machen lassen. Skeptisch nimmt sie am Reiseprogramm mit Besuch der Grotte oder einer nächtlichen Messe in der Kathedrale teil. Und doch kann sie plötzlich wieder gehen. Aber macht so ein Wunder einen Menschen wirklich glücklicher?

Mehr noch als durch das Aussparen aller Nebengeschichten gewinnt «Lourdes» durch die Bildsprache grosse Stringenz und Dichte. Kahl und aufs Wesentliche reduziert sind die weitgehend statischen Einstellungen, präzis gesetzt sind Farben und Musik. Jedes Detail zielt auf Bedeutung ab, jede Szene wirft implizit neue Fragen nach Gott und der Welt auf, nach Hoffnung und dem Sinn des Lebens auf. Antworten liefert der Film keine, vielmehr wird der Zuschauer auf sich selbst zurückgeworfen und gezwungen, sich diesen existentiellen Fragen zu stellen. Aber Achtung: Wer sich auf Hausners kühles und karges Werk nicht einlässt, wird sich zwangsläufig langweilen. [Walter Gasperi]

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