Lippels Traum - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland (2009) |
| Genre: | Adventure |
| Filmlänge: | 101min |
| Regie: | Lars Büchel |
| Kinostart: | 17.12.2009 |
| Drehbuch: | Ulrich Limmer |
| Paul Maar |
Die luziden Träume eines Bücherwurms
Die vierte Verfilmung des Kinderbuch-Autors Paul Maar wartet mit einer dekorativen Kulisse und prominenter Besetzung auf. Allzu simpel gestrickt, wird es Maars gut gemeintes Plädoyer für mehr Fantasie schwer haben, das anspruchsvolle junge Publikum von heute zu beeindrucken.
Lippel (Karl Alexander Seidel) lebt allein mit seinem Vater (Moritz Bleibtreu). Als der verreisen muss, wird eine Haushälterin (Anke Engelke) engagiert. Diese entpuppt sich bald als Hausdrachen, der mit Gewalt unsinnige Regeln durchsetzen will. Selbst das Märchen-Buch, das der Vater Lippel zum Abschied geschenkt hat, wird ihm abgenommen. Doch zum Glück kann Lippel das Märchen nachts in seinen Träumen weiterspinnen. Dort verwandelt sich sein Vater in einen König und Frau Jakob in dessen böse Schwester, die gegen die Königskinder eine Intrige schmiedet. Nun ist Lippels Mut gefragt.
Nach «Sams» und «Herr Bello» hat Autor und Produzent Ulrich Limmer ein weiteres Werk von Paul Maar zum Drehbuch verarbeitet. Die märchenhafte Geschichte wurde von Lars Büchel hübsch in Szene gesetzt. Vor allem die in Marokko gedrehten Traumsequenzen bemühen mit ihrer opulenten, orientalischen Ausstattung die Atmosphäre eines Märchens aus «1001 Nacht».
Leider krankt die Inszenierung trotz des exotischen Schauwerts an einem ideenarmen Drehbuch, dessen Literaturvorlage schon nicht über alle Zweifel erhaben war. Die Handlung verläuft ohne jeden anregenden, narrativen Schlenker ihrem kitschigen und fragwürdig schadenfreudigen Ende zu, wechselt dazwischen uninspiriert von der Realitäts- zur Traumebene und wieder zurück und lässt die Bösen böse und die Guten gut sein - bis zur Plattheit.
Einzige glaubwürdige Figur bleibt Lippel: Ein verträumter Junge, der ohne Licht nicht einschlafen kann und sich am liebsten in seine Bücher vergräbt. Keine coole Identifikationsfigur präsentiert uns da Maar, vielmehr die etwas altmodische Ausgabe eines kindlichen Helden mit nachvollziehbaren Schwächen, der an Bastian aus Michael Endes «Die unendliche Geschichte» erinnert. Aber auch Lippel vermag die übrigen flachen Gestalten und mit ihnen die wenig packende Geschichte nicht auszugleichen. Bleibt zum Schluss die Frage, ob Kinder, die die anspruchsvollen Erzählungen und differenzierten Figuren aus Cornelia Funkes «Tintenherz» oder J.K. Rowlings «Harry Potter» kennen, sich für Lippels luzide Träume begeistern lassen.
[Cindy Hertach]
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