Gigante
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Filmkritik

Trauriger Ritter von riesiger Gestalt

Nicht oft stösst das Leinwanddebüt eines Filmemachers auf so viel internationale Resonanz wie der Erstling von Arian Biniez: Hoch dekoriert auf der Berlinale, lief das sensible Porträt eines Supermarktnachtwächters auch am Zurich Film Festival mit einigem Erfolg.

Gigantisch gross ist der Supermarkt, den der ebenfalls recht ausladende Jara in seinem einsamen Wachraum mit Videokameras überwacht. In dem massigen Körper des schweigsamen Riesenbabys steckt hinter der zur Schau getragenen Lakonie grosse Güte und Verletzlichkeit. Tagsüber spielt er mit seinem Neffen Videogames, abends jobbt er gelegentlich als Türsteher. Wie man Wirbel einrenkt, hat er im Fernsehen gelernt und seinen Kollegen will er absolut nichts Böses: Den Filialleiter lockt er schon einmal mit fingierten Anfragen in andere Bereiche des Supermarkts, wenn im Lager eine Kisten-Schlacht tobt und kleine Lebensmitteldiebstähle toleriert er ausnahmsweise. Als er auf dem Monitor die Putzfrau Julia erblickt, ist es um ihn geschehen: Er folgt ihr fortan überall hin - während der Arbeit per Kamera, tagsüber versteckt bei Spaziergängen, in Internetcafés, sogar zu einem Date. Als Julia infolge eines Mitarbeiterstreiks ihren Job verliert, muss Jara sich entscheiden zu handeln oder seine Sehnsucht aufzugeben.

Die Stärke dieses Films liegt in wunderbarer Situationskomik und einem sicheren Gespür für Besonderheiten und Machtstrukturen in der Welt der kleinen Angestellten. Bezaubernd, wie ein kleiner Kaktus in einem riesigen Supermarktgang platziert wird und dann für Verwirrung sorgt, grossartig, wie sich Jaras Faust zum Heavy Metal-Gruss über den Duschvorhang streckt als Zeichen äusserster Euphorie, bezeichnend, dass Jara Julia im Liebes- und nicht im Horrorfilm sucht und berührend die unaufgeregt erzählten Kantinen- und Streikszenen.

Arian Biniez ist ein Regisseur, auf dessen nächste Werke man gespannt bleiben darf, auch wenn diese ersten 84 Leinwandminuten bei allem Sinn für Details gelegentlich sehr lang werden: Fernab von Latino-Klischees und ohne verklärende Sozialromantik porträtiert «Gigante» illusionslos-realistisch das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen. Gleichzeitig entwickelt der Film dank dem gelungenen Rhythmus von Erzählung und Montage eine subtile Poesie.

Allerdings trägt die lakonische Erzählhaltung nicht über die gesamte Dauer, eine etwas grössere dramaturgische Zuspitzung von Situation und Handlungsbogen hätte dem Film gut getan. Manchmal schimmert sie auf, die Ambivalenz: Dann fragt man sich, ob man hier die Einsamkeit eines zukünftigen Massenmörders, den Stalker von nebenan bei der Arbeit oder doch einen flügellahmen Schutzengel im zaghaften Liebesrausch sieht. Zu gross und unbedingt ist aber letztlich die Liebe des Regisseurs zu seiner Hauptfigur - nur fast wäre «Gígante» auch gigantisch gut geworden. Sehenswert bleibt er allemal.

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2 Kommentare
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Pascal

Ein kleiner und symphatischer Film. Doch trotz der kurzen Spieldauer von gerade mal etwas mehr als 80 Minuten kann er die recht dürfitge Story nicht kaschieren und das ganze wirkt auf die Dauer etwas ...
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Klaus

Guter Film, doch Titelheld zu zaghaft. Der Film ist wirklich sehenswert, der Titelheld ist aber doch etwas gar scheu und zaghaft. Doch es gibt ein Happy End am Schluss.

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