| Land (Jahr): | USA (2009) |
| Genre: | Adventure, Animation, Fantasy |
| Filmlänge: | 100min |
| Regie: | Henry Selick |
| Kinostart: | 27.08.2009 |
| 10.06.2009 (Romandie) | |
| 03.07.2009 (Tessin) |
Schöner Schauder, zum Greifen nah
Die vorlaute Coraline entdeckt eine schräge Traumwelt und lernt ihre Lektion in der Adaption von Neil Gaimans gleichnamigen Roman. Auch das Publikum lernt einiges: Stop-Motion kann noch besser aussehen als in «Nightmare Before Christmas» und das 3D-Kino hat mehr zu bieten als optische Spielereien.
«Henry Selick» liebt es, Gegensätze zu überwinden. Vor 15 Jahren erzählte er die Geschichte vom «König des Schreckens» und schuf damit einen Klassiker. Die Art und Weise, wie er die steifen Puppen in «The Nightmare Before Christmas» leichtfüssig zum Singen und Tanzen brachte, blieb unübertroffen. Bis heute, denn Selick ist zurück im Regiestuhl. Mitgebracht hat er seinen altbekannten Einfallsreichtum, mit dem er schwindelerregende Traumwelten wie auch gruselige Alptraumvisionen erschafft - und eine neue Heldin.
Coraline zieht mit ihren arbeitssüchtigen Eltern in eine Villa irgendwo im Nirgendwo. Trotz wunderlicher Nachbarn - abgehalfterte Vaudeville-Diven und ein dehnbarer Zirkusdirektor - findet Coraline ihre neue Umgebung furchtbar öde. Doch dann führt sie eine geheime Tür in eine wundersame Welt, wo sie von ihren Eltern mit offenen Armen empfangen wird. Ihren «anderen» Eltern haben - im Gegensatz zu den echten - ständig Spass und Zeit und sind rundum perfekt - bis auf die Tatsache, dass ihre Augen nachtschwarze Knöpfe sind. Bald dämmert es Caroline, dass der Eintrittspreis für diese wundersame Welt höher ist, als ihr lieb sein könnte.
Das Reich hinter Coralines geheimer Tür liegt nur unweit von «Oz» und «Alice im Wunderland» entfernt: eine Welt der einfachen Lektionen und vielschichtigen Kuriositäten, ebenso oberflächlich bestaunenswert wie unterschwellig bedrohlich und damit bewohnbar für (grössere) Kinder wie Erwachsene gleichermassen. Staunen können beide: über die stimmungsvolle Musik und die exzellenten Sprecher, vor allem aber über die Puppen und ihre Welt. Die Sets sind reicher, die Gesichter ausdrucksstärker und die Bewegungen flüssiger denn je, ohne jemals zu perfekt zu sein. Im handgemachten Charme von «Coraline» finden auch die 3D-Brillen eine Verwendung jenseits der ins Auge springenden Klischees: Sie heben die unglaubliche Detailfülle von Coralines Welt in ihrer Körperlichkeit hervor und machen sie damit zugleich fassbarer und fantastischer. Und sie lassen den Respekt wachsen für Henry Selicks Kunstfertigkeit, die mit Coraline einen neuen Höhepunkt erreicht hat.
[Christof Zurschmitten]
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