The Dust of Time
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Filmkritik

Beziehung im Schatten der Weltgeschichte

Im zweiten Teil seiner das 20. Jahrhundert umspannenden «Trilogie» verknüpft Theo Angelopoulos die private Geschichte von Spyros und Eleni mit den weltpolitischen Ereignissen zwischen 1950 und der Jahrtausendwende. Ihm gelingt ein gewaltiger Entwurf in grandiosen Bildern, aber mit vielen losen Enden.

«Die Erde weint» war der Titel des ersten Teils von Theo Angelopoulos grosser Trilogie über das 20. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund der griechischen Geschichte von 1919 bis 1949 erzählte der grosse griechische Regisseur darin die unglückliche Liebesgeschichte zwischen Spyros und Eleni. Direkt an das Ende dieses Films anknüpfend rollt «The Dust of Time» in Rückblenden die Geschichte das Paares ab etwa 1950 auf. Die Ausgangslage dafür bildet ein Film, den ein nur A. genannter Regisseur (Willem Dafoe) in der römischen Cinecitta über seine Eltern Spyros (Michel Piccoli) und Eleni (Irene Jacob) dreht.

Von Filmszenen, die A. über Elenis Verbannung nach Sibirien Anfang der 1950er Jahre und Spyros Flucht nach Amerika gedreht hat, geht der Film über zum Berlin-Besuch des alten Ehepaars an Silvester 1999. Die Ankunft in der deutschen Hauptstadt löst eine weitere Rückblende zur Ausbürgerung Elenis aus der Sowjetunion 1974 und zur Reise des Paares von den USA nach Toronto aus. Dorthin übersiedelte nämlich der Sohn, um seiner Einberufung in den Vietnamkrieg zu entgehen.

Grossartig ist zweifellos der Entwurf des Films und immer noch ist Angelopoulos' Meisterschaft im Verschachteln der Zeitebenen unübertroffen. Gleichzeitig scheitert «The Dust of Time» aber auch an seinem überzogenen Anspruch. Denn in der Fülle der historischen Ereignisse tendiert der Film zu einer Kurzatmigkeit, die in Widerspruch zu der betont langsamen Erzählweise steht. Historische Ereignisse wie die Entstalinisierung, der Vietnam-Krieg, Richard Nixon und der Fall der Berliner Mauer werden in einer Art «Name-Dropping» nur kurz erwähnt und schon wieder ad acta gelegt.

Grandiose Tableaux fehlen freilich auch hier nicht. Atemberaubend sind die Massenszenen, wenn beispielsweise die Menge nach der Nachricht vom Tod Stalins schweigend den Platz verlässt oder die Ausgebürgerten mit ihren Koffern wortlos im Nebel die ungarisch-österreichische Grenze überqueren. Doch solche Plansequenzen bleiben eben Einzelstücke, wie auch die Weltgeschichte hier kaum mehr Thema an sich ist. Sie dient vielmehr nur noch als Aufhänger für die private Geschichte von Spyros, Eleni und dem deutschen Juden Jakob (Bruno Ganz), den Eleni im sowjetischen Lager kennenlernte. Wie sich der am Anfang stehende Film von A. im Lauf der 125 Minuten im Nichts verliert, so verflüchtigt sich in diesem Film der vielen losen Enden und nicht zu Ende entwickelten Handlungsfäden mit Fortdauer auch die historische Komponente.

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