Le silence de Lorna - Filmkritik
| Aka Titel: | Le Silence de Lorna - Lornas Schweigen |
| Land (Jahr): | Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Grossbritannien (2008) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 105min |
| Regie: | Jean-Pierre Dardenne |
| Luc Dardenne | |
| Kinostart: | 08.01.2009 |
| 27.08.2008 (Romandie) |
Schmutzige Heiratsgeschäfte
Leichtfüßiger Frohsinn war noch nie die Sache von Jean-Pierre und Luc Dardenne. Mit «Rosetta» oder «L'enfant» schufen die belgischen Regie-Brüder zwei bedrückend realistische, meisterlich erzählte Sozialstudien, mit denen ihnen das seltene Kunststück gelang, gleich zweimal die Goldene Palme beim Festival in Cannes zu gewinnen. Auch mit ihrem neuen Film bleiben sie dieser Linie treu.
Dabei klingt die reine Inhaltsbeschreibung des Dramas durchaus nach reißerischer Seifenoper. Die Albanerin Lorna (Arta Dobroshi) ist dabei, sich ein Leben in Belgien aufzubauen. Mafiöse Mittelsmänner haben eine Scheinehe mit dem Junkie Claudy (Jérémie Renier) arrangiert, der mittels einer Überdosis aus dem Weg geräumt werden soll, sobald Lorna endgültig die belgische Staatsbürgerschaft erhalten hat. Gleich danach soll sie wiederum einen russischen Geschäftsmann heiraten, der ebenfalls gegen viel Geld Belgier werden möchte, während eigentlich auch ihr albanischer Freund Sokol darauf wartet, nach Lüttich kommen zu können, um den Traum von einer gemeinsamen Snackbar zu verwirklichen.
Doch nicht alles läuft in diesem Arrangement so reibungslos, wie die ebenso skrupellosen wie geldgierigen Strippenzieher sich das gedacht haben. Denn nachdem Claudy der jungen Frau anfangs ein Klotz am Bein ist, entwickelt sie zusehends Mitgefühl für ihn und seine Versuche, den Drogen zu entsagen. Sein Tod wird für sie zur kaum erträglichen Gewissenslast - und als Lorna eines Tages feststellt, dass sie schwanger ist, macht das die Sache nicht einfacher.
Für einen Dardenne-Film ist es schon erstaunlich, wie viele dramatische Wendungen der Plot in «Le silence de Lorna» nimmt. Doch natürlich lassen sie sich auch dieses Mal nicht zur Effekthascherei hinreißen, sondern erzählen lieber nüchtern, stilvoll und nur beobachtend statt wertend. Ganz unvermittelt und mitten in der Geschichte setzt die Handlung ein, Musik kommt ebenso wenig zum Einsatz wie emotional aufgeladene Großaufnahmen, und manch vermeintlicher dramatischer Höhepunkt findet stillschweigend außerhalb des Bildes statt.
Bewegend und ergreifend ist dieser Film, der menschliche Beziehungen so gnadenlos als kriminelle Business-Deals zeigt, deswegen erst recht. Jérémie Renier, der eindrucksvoll gereifte Stammschauspieler der Dardennes, und die im Kosovo geborene Arta Dobroshi als bemerkenswerte Neuentdeckung begeistern schauspielerisch, während ihre Regisseure Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne den brisanten und facettenreichen Stoff mit gewohntem, aber trotzdem immer wieder faszinierenden Feingefühl im Griff haben. Dafür gab es für die Brüder zu Recht auch 2008 wieder einen Preis in Cannes, dieses Mal für das beste Drehbuch. [Patrick Heidmann]
weitersagen
|
|
zuckerwättli: Der Film hat mich ein bisschen hin und her gerisse... |
|
|
Christine: Obwohl der Film relativ ruhig ist, ist er noch lan... |

