| Land (Jahr): | Deutschland (2008) |
| Genre: | Drama, Fantasy |
| Filmlänge: | 127min |
| Regie: | Marco Kreuzpaintner |
| Kinostart: | 30.10.2008 |
| Drehbuch: | Michael Gutmann |
| Marco Kreuzpaintner |
Freiheit oder Zauberkünste?
Marco Kreuzpaintner hat Otfried Preusslers mehrfach preisgekrönten Jugendroman von 1971 verfilmt - pompös und technisch ausgefeilt.
In einer klirrend kalten Nacht zwischen Neujahr und Dreikönigstag fordert eine Stimme den Waisen Krabat auf, nach Schwarzkollm zu kommen. In der verrufenen Mühle erwartet ihn bereits der Meister: «Was soll ich dich lehren? Das Müllern - oder alles andere auch?» fragt er. «Das andere auch», antwortet Krabat. Damit ist sein Schicksal besiegelt. Mit elf anderen Gesellen erlernt er die schwarzen Zauberkünste; sich in einen Raben zu verwandeln oder aus seinem Körper herauszutreten. Und immer bei Neumond taucht der «Gevatter» in einer schwarzen Kutsche auf; dann werden Knochen anstatt Getreide gemahlen.
Die Osternacht schließlich wird zum Drehpunkt: Von einem Hügel über dem Dorf lauscht Krabat Kantorkas Gesang. Das Mädchen geht ihm nicht mehr aus dem Kopf - doch darf der Meister keinesfalls davon erfahren, sonst schweben Krabat und Kantorka in Lebensgefahr. Zwar kann Krabat auf die Hilfe des Obergesellen Tonda zählen; aber wem von den Gesellen kann er sonst trauen? Jeder von ihnen bangt ums eigene Leben, denn immer in der Silvesternacht kommt einer von ihnen grausam zu Tode. Es gibt einen Ausweg, aber Krabat muss sich entscheiden: Liebe und Freiheit oder Zauberkraft.
Marco Kreuzpaintners Film ist technisch hochprofessionell ausgearbeitet; der Regisseur spielt mit Licht und Schatten, spektakulären Kamerafahrten und Special effects. Eine unheimliche Atmosphäre bringt er so zweifellos zustande, doch mag diese durchgestylte Machart so gar nicht zum schlichten Ton des Romans passen. Unterschwellig Unheimliches etwa sucht man vergebens, und vor allem fehlen die stillen Momente, die zur Spannungssteigerung beitragen könnten. Stets sind die Szenen unterlegt mit Orchestermusik, unheilvollen Klängen und Geräuschen oder dramatischem Chorgesang. So fällt die Szene mit dem Gevatter reichlich laut aus, zeichnet sich im Roman aber gerade durch die gespenstische Stille aus, in der man nur das Atmen der arbeitenden Gesellen hört. Und in der Osternacht versinkt die Magie des Augenblicks in der gewaltigen Musik und dem Chorgesang, aus dem Kantorka kaum herauszuhören ist.
Bei der Wahl der Schauspieler aber bewies Kreuzpainter eine gute Hand - besonders Daniel Brühl als besonnener Tonda sticht hervor, und Robert Stadlober als Geselle Lyschko mit verschlagenem Blick.
Literaturverfilmungen sind generell ein undankbares Genre, handelt es sich doch immer um eine Interpretation, und es ist unmöglich, der Phantasie der Leser gerecht zu werden. Insgesamt mag der Film deshalb die Krabat-Leser kaum zufrieden stellen. Für Spannung, Unterhaltung und Emotionen sorgt der Film aber unabhängig von der Romanvorlage. So wird die filmische Krabat-Geschichte sicher andere, neue Anhänger finden. [Andrea Lüthi]
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