Es ist nicht der erste Film über den berühmten Argentinier, aber bei weitem der ehrgeizigste: «Che» soll zugleich Portrait sein und Chronik historischer Ereignisse, er erzählt von politischen Idealen, ihrem Erfolg wie ihrem Scheitern. Spielfilmlänge ist da einfach nicht genug: In den Kinos wird der Film zweigeteilt laufen, obwohl «Che» ein einziges monumentales Projekt ist, dessen Hälften sich notwendig ergänzen.
Der erste Teil - «The Argentine» - folgt den Ereignissen in Kuba, beginnend 1956 mit der Ankunft Fidel Castros (Demian Bicannohir), Guevaras und einer Handvoll Revolutionäre, die die Militärdiktatur Battistas stürzen werden. Bevor es dazu kommt, sehen wir den Aufstieg Guevaras - Asthma und einem Ausländerkomplex zum Trotz - vom Feldarzt zum Comandante der Guerilla. Und wir sehen, wie der Kriegserfolg seine Ideen schmiedet zum «Guevarismus», jener eigentümlichen Mischung aus politischer Philosophie, Strategie, Idealismus und Heilsgedanken. Mehr darüber erfahren wir häppchenweise in Szenen, die Guevara nach vollendeter Revolution vor den Mikrophonen von Interviewern und als Vertreter Kubas vor der UNO zeigen.
Zudem dient der Film auch der Standortbestimmung: Gleich die ersten Bilder von Benicio Del Toro als Guevara, die Zigarre im Mund, suchen die Nähe zu den berühmtesten Che-Fotos, wie sie tausendfach auf Postern abgedruckt wurden. Damit ist klar: «Che» - dessen Drehbuch auf Aufzeichnungen des Portraitierten beruht - will keine Legende zu Fall bringen. Ebenso wenig aber geht es um deren Fortschreibung; wenn überhaupt, dann ist «Che» der Versuch, einem zum leeren Symbol gewordenen Menschen eine Geschichte zurückzugeben.
Was manche irritieren dürfte, ist die Tatsache, dass «Geschichte» dabei wörtlich gemeint ist: Historische Daten werden pedantisch zitiert, aber selten erklärt, die Chronologie der Ereignisse und nicht eine Filmdramaturgie geben den Spannungsbogen vor. Obwohl es Szenen gibt, die jedem Actionfilm zur Ehre gereichen, ist «The Argentine» teilweise bewusst sperrig. Auch seine Hauptfigur, von Del Toro wuchtig verkörpert, bildet nur bedingt einen emotionalen Anker: zu pragmatisch geht dieser Che seinen Aufgaben nach, zu gefestigt ist seine Persönlichkeit von Anfang an, zu sehr wird auch sein Handeln nur gezeigt statt (v)erklärt.
Langweilig ist das nie, aber natürlich nur bedingt unterhaltsam. «The Argentine» verlangt seinem Publikum etwas ab, entschädigt es aber auch für seine Aufgeschlossenheit und Mühe: Mit einem Film, der bewundernswert kompromisslos und grössenwahnsinnig ist - und gemeinsam mit seiner zweiten Hälfte nicht nur eines der ausgewogensten Che-Portraits, sondern auch eines der klügeren Biopics der letzten Jahre darstellt.
Eigentlich überflüssig. Ich finde die Bemerkung, dem Film fehle Feuer absolut treffend. Nichtsdestotrotz scheint mit dies die beste Verfilmung von Ches Leben zu sein, obwohl sie sehr in die Länge gez...
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