Body of Lies - Filmkritik
| Aka Titel: | Der Mann, der niemals lebte |
| Land (Jahr): | USA (2008) |
| Genre: | Action, Drama, Thriller |
| Filmlänge: | 128min |
| Regie: | Ridley Scott |
| Kinostart: | 20.11.2008 |
| 26.11.2008 (Romandie) | |
| 21.11.2008 (Tessin) |
Stars und böse Buben
Ein Politthriller von Ridley Scott mit Leonardo DiCaprio und Russell Crowe in den Hauptrollen - das klingt zunächst viel versprechend. Doch leider muss man im Falle von «Body of Lies - Der Mann, der niemals lebte» feststellen, dass die Vorfreude nicht von langer Dauer und der unglückliche deutsche Titel noch das geringste Problem ist.
Wie schon zuletzt in «American Gangster» lässt Ridley Scott hier zwei Ausnahmeschauspieler aufeinander treffen, ohne dass sie besonders oft gemeinsam auf der Leinwand zu sehen wären. Doch die Rollenverteilung ist dieses Mal weniger eindeutig: Leonardo DiCaprio spielt den CIA-Agenten Roger Ferris, dessen Einsatzgebiet Jordanien ist, wo er dem gesuchten Terroristen Al-Salim auf der Spur ist. Gesteuert wird seine Arbeit aus den USA, vom Laptop und Handy seines Vorgesetzen Ed Hoffman (Russell Crowe). Ob dabei die Motive seines Bosses wirklich immer ehrenwert sind, weiß der aufrechte Ferris allerdings ebenso wenig einzuschätzen wie beim aalglatten Chef des jordanischen Geheimdienstes (sehenswert: der Brite Mark Strong, demnächst auch in Guy Ritchies «RocknRolla» zu sehen).
Den Terror-Klischees und arabischen Bösewichtern, die man mittlerweile in jedem dritten Hollywood-Thriller sieht, hat leider auch «Body of Lies» kaum etwas hinzuzufügen, auch wenn Scott sich ebenso sichtbar wie vergeblich darum bemüht, ach so brennende Aktualität heraufzubeschwören. Leider lassen ihn ausgerechnet seine Hauptdarsteller im Stich. Oscar-Gewinner Crowe macht es sich allzu leicht und begnügt sich damit, seine Figur uninspiriert und banal als schmierigen Fresssack anzulegen. Das lässt schmunzeln, besitzt aber kaum Komplexität. Auch DiCaprio, dessen Rolle wesentlich größer ist, gelingt es bei aller Souveränität kaum, einen wirklich vielschichtigen Charakter entstehen zu lassen.
Ordentliche Action hätte davon womöglich ebenso ablenken können wie von der Tatsache, dass Scott und sein Oscar-prämierter Drehbuchautor William Monahan (als Vorlage diente ein Roman von David Ignatius) das Potential des spannungsgeladenen Arbeitsverhältnisses zwischen Ferris und Hoffman viel zu wenig ausreizen. Doch Spannung und Rasanz entfalten hier viel zu spät ihre Wirkung, wenn Ferris und Hoffman in der zweiten Hälfte des Films Al-Salim eine Falle stellen, indem sie die Existenz eines fiktiven Terror-Konkurrenten erfinden. [Patrick Heidmann]
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