Ein Geheimnis Frankreich 2007 – 100min.

Un secret

Filmkritik

Glück im Unglück

Andres Hutter
Filmkritik: Andres Hutter

Im Alter von 15 Jahren beginnt François zu erkennen, dass seine Familie ein Geheimnis hütet. Die Geschehnisse, welche die jüdische Familie im besetzten Frankreich während dem 2. Weltkrieg erlebt hat, werden ihm gegenüber völlig verschwiegen. Nun erst lernt er das Leben seiner Eltern vor der eigenen Geburt kennen.

"Un secret" ist ein Familiendrama um eine aussereheliche Affäre, das eng mit den Schrecken des Holocaust verknüpft ist. Durch diese wurden François' Eltern aus ihren vorhergehenden Beziehungen gerissen und fanden zueinander. Grundlage dieses bewegenden Films von Claude Miller ist der autobiographische Roman von Philippe Grimbert.

Der Schwerpunkt der Erzählung liegt auf der Beziehung zwischen François' Eltern Maxime (Patrick Bruel) und Tania (Cécile de France). In Vor- und Rückblenden wird ihre Geschichte zu verschiedenen Zeitpunkten erzählt, die Geschehnisse des zweiten Weltkrieges wirken auf deren Verlauf massiv ein, sind aber nicht der eigentliche Gegenstand des Films. Wie für François sind auch für den Zuschauer die Schrecken der Konzentrationslager nur aus historischen Bildern ersichtlich, wie etwa bei einer Aufführung von Alain Resnais' erschütterndem Dokumentarfilm Nuit et Brouillard in François' Schule.

Neben diesen dokumentarischen Aufnahmen durchbrechen auch Traumvorstellungen sowie zahlreiche Vor- und Rückblenden immer wieder die eigentliche Geschichte. Streckenweise ist die Erzählweise durch dieses Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeit- und Realitätsebenen unnötig kompliziert und bringt zuviel Unruhe in den Film. Der Erzählfluss wird oft unterbrochen und die Handlung kann sich nur in den Abschnitten, in denen Miller länger beim Haupterzählstrang verweilt, richtig entfalten.

Ungewöhnlich ist, dass die Rahmenhandlung, die in der Gegenwart spielt und aus der die Geschichte retrospektiv erzählt wird, gänzlich in Schwarzweiss-Aufnahmen zu sehen ist, die Vergangenheit wird indes in farbigen Bildern gezeigt. Hier nimmt Miller die Erzählweise von Grimberts Roman auf, der das Vergangene im Präsens erzählt, während die Gegenwart in der Vergangenheitsform beschrieben wird. Diese Farbgegebung gegen die Konvention wäre eigentlich nicht weiter problematisch, nur sind die kontrastarmen Schwarzweiss-Bilder ziemlich fad.

Doch dort, wo Miller sich ganz auf die Haupterzählung konzentriert, ist der Film sehr gelungen. Der Film ist rührend, drückt aber nie auf die Tränendrüse und ist selbst in Nebenrollen hervorragend besetzt. Gerade die nach wie vor schwierige filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust meistert Miller ausgezeichnet. Eine derart vielschichtige und leider auch umständliche Erzählweise hätte der Film deshalb gar nicht nötig.

01.02.2008

3

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Es ist eine weitere, wahre Geschichte vom Überleben der Franzosen im von den Deutschen besetzten Land. Wieder geht es um Repressalien gegen die Juden und um die Frage: sich anpassen, fliehen oder negieren. Doch die Art und Weise, wie Claude Miller diese Geschichte erzählt, ist schon bemerkenswert. Er schildert die ungewöhnliche Liebesgeschichte zweier jüdischer Sportskanonen aus der Perspektive ihres neugierigen Sohnes. Hierbei spielt die Frage, ob ein Jude auch einer sein will, eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Geschickt werden in verschiedenen Farben die Zeitebenen gewechselt und das Geheimnis, obwohl schon lange vorher zu erahnen, erst ganz am Ende gelüftet. Aber diese Hinführung zur Aufklärung ist einfach gut gemacht. Leider mündet die erstaunliche Story in einen Dokumentarfilm, was völlig überflüssig ist. Die Authentizität belegt ein Hinweis im Vorspann hinreichend. Somit entzaubert sich der Film im Dienste der historischen Wahrheit am Ende selber.

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