| Aka Titel: | Machtlos |
| Land (Jahr): | Südafrika, USA (2007) |
| Genre: | Drama, Thriller |
| Filmlänge: | 122min |
| Regie: | Gavin Hood |
| Kinostart: | 22.11.2007 |
| 09.01.2008 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Kelley Sane |
Foltern für den Frieden
«Rendition» bedeutet eigentlich «Überstellung». Doch es bezeichnet auch die unter US-Präsident Clinton eingeführte Praxis, mutmassliche Terroristen in Länder zu verschleppen, wo man es mit der Folter nicht so genau nimmt. Ein gutes Thema - doch macht das leider nicht zwingend einen guten Film.
Der Terrorverdächtige, aus dem man ein Geständnis oder zumindest ein paar Informationen herauspressen will, ist im Film «Rendition» Anwar El-Ibrahimi. Sein Vergehen? Offensichtlich wurde ein paar Mal auf sein Handy angerufen, von einem Telefon, auf das vielleicht ein wichtiger Terrorist Zugriff hat. Zuhause in den USA wartet seine hübsche, blonde, schwangere Frau (Reese Witherspoon). Sie hat keine Ahnung, wo ihr Mann steckt, sie wartet darauf, dass er endlich von einer Geschäftsreise nach Hause kommt. Dass er bei der Zwischenlandung in Washington verschleppt wurde, sagt ihr niemand. Das sind die Regeln im Krieg gegen den Terror.
Die Männer, die in einem ungenannten nordafrikanischen Land ein Geständnis aus El-Ibrahimi herausfoltern wollen, sind keine namenlose Ungeheuer. Im Gegenteil: Da ist der CIA-Analytiker Douglas Freeman (Jake Gyllenhaal), in dessen Armen ein Kamerad bei einem Attentat starb und der nun für ihn bei der «Befragung» einspringt. Oder der Polizist Abasi Fawal, der seit Tagen nach seiner Tochter sucht, die sich vom Patriarchen entfremdet hat und mit ihrem Freund durchgebrannt ist. Und irgendwo darüber hält die CIA-Antiterror-Chefin Corrine Withman (Meryl Streep) die Fäden in der Hand, im unerschüttlichen Glauben, das Richtige zu tun.
Das tun wohl auch die Filmemacher. Tatsächlich ist «Rendition» anständig gemacht, überrascht immer wieder, und ein schwieriges Thema wurde - das ist nicht negativ gemeint - Hollywood-gerecht und massenkompatibel umgesetzt. Doch reicht das? «Rendition» wertet, will aber keine Anklage sein, oftmals beschränkt sich der Film darauf, zu zeigen, was ist. Die vielen Geschichten auf verschiedenen Kontinenten versuchen, sich zu einem stimmigen Gesamtbild zu verdichten, doch leider ist «Rendition» kein «Babel» geworden. Dem Film fehlt es an Gewicht, und er verspricht mehr, als er halten kann.
Dazu kommt aus europäischer Sicht noch ein weiteres Problem: Die Botschaft, dass die US-Regierung ihren Kampf gegen den Terror übers Völkerrecht stellt, überrascht hier keinen mehr. Schockierend wäre doch vielmehr, dass unsere eigenen Regierungen beide Augen zudrücken, wenn die CIA in Europa Terrorverdächtige verschleppt, dass deutsche Geheimdienstler bei Befragungen mit dabei sein sollen, dass sich einige dieser geheimen Gefängnisse vermutlich auch auf EU-Territorium befinden. Das dies in «Rendition» nicht erläutert wird, ist kein Fehler des Films. Aber es schmälert seine Relevanz.
[Wisi Greter]
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