| Aka Titel: | Spuren eines Lebens |
| Land (Jahr): | Deutschland, USA (2007) |
| Genre: | Drama, Romance |
| Filmlänge: | 130min |
| Regie: | Lajos Koltai |
| Kinostart: | 22.11.2007 |
| Drehbuch: | Susan Minot |
| Michael Cunningham |
Stars ohne Story
Lajos Koltais Generationenfilm über starke Frauen ist mit grossen Namen besetzt, und der Pulitzerpreisträger und Autor von «The Hours» liefert das Drehbuch. Das Line-up kann aber nicht über eine an manchen Stellen dünne Story hinwegtäuschen.
Ann Lord (Vanessa Redgrave) liegt in ihrem Sterbebett und lässt ihr Leben noch einmal Revue passieren. Während ihre Töchter (Natasha Richardson und Toni Collette) über ihrem Bett wachen, dämmert Ann immer wieder zwischen Realität und Fiebertraum und erinnert sich an ihre einzige wahre Liebe Harris Arden (Patrick Wilson). Doch zu viele Verstrickungen und unglückliche Unfälle waren darin verwickelt, als dass Ann und Harris ein Paar werden konnten. Und auch Anns anderer grosser Lebenstraum, als Sängerin den Durchbruch zu schaffen, blieb unerfüllt. Doch bleibt keine Zeit verpassten Chancen nachzutrauern. Ann lernt allmählich loszulassen und mit ihrem Leben Frieden zu schliessen. Die Kraft der Versöhnung schwappt auch auf ihre Töchter über, die ihrerseits daran sind, wichtige Entscheidungen zu fällen.
Es ist schon erstaunlich, wie viel geballte Schauspielerinnenkraft der Regisseur Lajos Koltai für seinen Film gewinnen konnte. Oscargewinnerin Vanessa Redgrave beeindruckt in ihrer Rolle der sterbenden Frau im Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und steht übrigens das erste Mal mit ihrer Tochter Natasha Richardson gemeinsam vor der Kamera. Glenn Close und die umtriebige Meryl Streep sind wie immer grosses Sehvergnügen und Mamie Gummer könnte Streeps Tochter sein, so ähnlich sehen sich die beiden. Auch Toni Collette und Claire Danes, die bereits in «The Hours» mitspielten, überzeugen mit ihrer Performance.
Doch kann man sich offenbar nicht ausschliesslich auf grosse Namen verlassen, wenn es an der Story hapert. Für die Romanvorlage von «The Hours» hat der Autor Michael Cunningham den Pulitzerpreis gewonnen und Nicole Kidman eine Oscarrolle beschert. Nun legt er in «Evening» erneut die Feder an eine Geschichte über starke Frauen und adaptiert Susan Minots gleichnamige Bestseller-Romanvorlage «Evening». Doch kommt die Story nicht an die erzählerische Dichte von «The Hours» heran und erinnert eher an Groschenromane als an grosse Literatur. Und wenn die junge Ann (Claire Danes) an der Hochzeit ihrer besten Freundin in Newport mit wehendem Haar aufs Meer schaut und am Ufer das erste Mal auf Harris trifft, wartet man förmlich auf die Rosamunde-Pilcher-Flötenklänge, welche die Stimmung untermalen. Solche Szenen wirken platt und der etwas zu freudige Einsatz von Flashbacks raubt dem Film zeitweise all seinen Charme. Wer jedoch ein Herz hat für rührselige Geschichten soll sich den Gefallen tun und über das schwächelnde Drehbuch hinwegsehen. Schliesslich ist bald Weihnachten. [Beatrice Minger]
weitersagen


