Die Eisprinzen - Filmkritik
| Originaltitel: | Blades of Glory |
| Land (Jahr): | USA (2007) |
| Genre: | Comedy |
| Filmlänge: | 93min |
| Regie: | Josh Gordon |
| Will Speck | |
| Kinostart: | 10.05.2007 |
| 09.05.2007 (Romandie) |
Doppelaxelschweiss
Nach «Stranger Than Fiction» fürchtete man bereits um den schlechten Ruf von Komiker Will Ferrell. Jetzt reicht derselbe Mann die durchgeknallte Kunsteisläufer-Ballade «Blades of Glory - Die Eisprinzen» nach und beweist damit, dass er dem Lockruf des gehobenen Kunstgewerbes nicht erlegen ist.
Hierzulande bekannt geworden ist Will Ferrell vor allem durch Nebenrollen in den Klamotten seiner Kumpanen Jack Black, Ben Stiller, Vince Vaughn, Steve Carell, Owen und Luke Wilson. Seine schnell wachsende Fangemeinde allerdings weiss: Am besten ist der Mann in jenen Filmen, die ihm auf den Leib geschrieben wurden. So zum Beispiel in der Nonsense-TV-News-Farce «Anchorman: The Legend of Ron Burgundy». Oder im letztjährigen Kassenhit «Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby». In der surrealen Komödie über die in den USA unglaublich populären NASCAR-Autorennen brillierte er als bedepperter US-Rennfahrer, der sich mit einem von Sacha «Borat» Cohen gespielten Franzosen ein rattenscharfes Duell liefert.
Mit «Stranger Than Fiction», dem gehypten Fantasydrama von Hollywood-Schweizer Marc Forster, dampfte Ferrell letztes Jahr dann plötzlich Richtung gehobenes Feuilleton ab. Atemstillstand! Sollte der Unterleibskomiker, dem die Sätze oft wie Fürze aus dem Mund fläzen, plötzlich in die Fussstapfen von Bill Murray treten? Vom Trash zur Kunst in 10 Sekunden? Man befürchtete bereits das Schlimmste, als bekannt wurde, dass Ferrell mit «Blades of Glory» 2007 wieder eine Tieffliegerkomödie in die Kinos bringen würde. Fast so, als möchte er sich mit seinen einstigen Bewunderern wieder versöhnen, setzte er diesmal eine besonders dämliche Idee in die Tat um. So spielt er nun einen sexgeilen Eiskunstläufer, der sich nach einem fatalen Karriereknick mit seinem ebenfalls abgestürzten, ärgsten Konkurrenten zusammentun muss, um als erstes gleichgeschlechtliches Eiskunstläuferpaar an den olympischen Winterspielen teilnehmen zu können.
Nachdem Proletenversteher Gölä mit seiner Teilnahme an «Art on Ice» dafür gesorgt hatte, dass die Schweiz bei der Verbindung von Eiskunstlauf mit schlechtem Geschmack bislang weltweit eine Spitzenposition einnahm, steht dieser Ehrenplatz nach «Blades of Glory» nun zur Disposition. Man fragt sich heute nämlich, ob sich der Eiskunstlauf je wieder vom Schlag erholen wird, den Ferrell dieser seltsamen Sportart mit seinem Film versetzt. Wer den Kleinelefanten als Jim-Morrison-Verschnitt mit fleischfarbenen Glitzer-Schlittschuhen einen Doppelaxel hat springen sehen, der wird für den Rest seines Lebens einen Eiskunstlaufwettbewerb nie wieder ohne Lachkrämpfe verfolgen können. Aber auch sein Partner wider Willen, der von Jon Heder verkörperte Jimmy MacElroy, hat Nummern auf Lager, die Stéphane Lambiel %26 Co. in eine ernsthafte Identitätskrise stürzen könnten.
Zu Schaden kommen im Verlauf von «Blades of Glory» dann aber nicht nur Ferrells Nüsse und Heders Grazie, auch ein doofes Olympia-Maskottchen namens Schneeflocke sowie ein nordkoreanisches Eiskunstläuferpaar, das der Welt die unglaublich schwierig zu fahrende Figur des «eisernen Lotus» hatte schenken wollen, bekommen sein Fett weg. Ansonsten darf man sich ausgiebig auf Kosten von Spitzensportlern, Spitzensportfunktionären, Spitzenorganisatoren von «Spitzensportler des Jahres»-Events und anderen Wichtigtuern amüsieren. Und man fragt sich, wann endlich unserem UNO-geadelten, oberster Spitzensportvermittler Adolf Ogi oder seinem Kumpan im Geiste, Sepp Blatter, in einer Komödie die Hosen runtergezogen wird. [Benedikt Eppenberger]
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