X-Men: The Last Stand - Filmkritik
| Aka Titel: | X-Men: Der letzte Widerstand |
| Land (Jahr): | USA (2006) |
| Genre: | Action, Fantasy, Sci-Fi, Thriller |
| Filmlänge: | 105min |
| Regie: | Brett Ratner |
| Kinostart: | 25.05.2006 |
| 24.05.2006 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Zak Penn |
Von Menschen und Mutanten
«The Last Stand» verspricht vielsagend der Untertitel des dritten Superhelden-Spektakels: Es geht um nichts weniger als die Entscheidung sich anzupassen oder Mutant zu bleiben. Auf dem Regiestuhl nahm dafür erstmals Bret Rattner Platz.
Action und Special-Effects einmal beiseite, imponierten die ersten beiden «X-Men»-Teile allein durch ihre allegorische Kraft (wie übrigens auch Ang Lees unterschätzter «Hulk»). Neben allem CGI-Morphing geht es ja im Grunde um eine Gruppe von Individuen, die sich körperlich und geistig von ihren Mitmenschen unterscheiden. Und es ging um Politik: Anpassen oder Widerstand, Assimilierung oder Selbstethnisierung. Themen wie aus dem Lehrbuch für Identitätspolitik, Kapitel «Minderheitenrechte». Kaum zufällig zitiert Ian McKellens Magneto am Schluss des ersten Teils das «By Any Means Necessary!» des Bürgerrechtlers Malcolm X.
Der dritte Teil der Mutanten-Saga scheint nicht weniger prädestiniert für Überinterpretationen aller Art, bloss kommt man vor lauter Zackbumm gar nicht zum Nachdenken. Bryan Singer (bald: «Superman Returns») brachte als Regisseur die nötige Sensibilität mit, ethische Fragen, emotionale Dilemmas seiner Figuren und rasante Actionszenen unter einen Hut zu bringen. Sein Nachfolger Brett Ratner («Rush Hour») packt die Sache eindimensionaler an; bei «X-Men: The Last Stand» steht die unmittelbare Handlung im Vordergrund, die Charaktere und ihre Geschichte sind Nebensache. Ein «Heilmittel» gegen Mutationen spaltet die Mutantenwelt: Die Outlaws um den schurkenhaften Magneto erkennen das Mittel als Waffe im Kampf gegen Andersartige und machen gegen die Menschheit mobil. Die X-Men um Professor Xavier (wie McKellen ein sicherer Wert: Patrick Stewart) stellen sich ihnen entgegen.
Der Weg zum alles entscheidenden Kampf, auf den der Film angelegt ist, wird im Eiltempo zurückgelegt. Verschnaufpausen gibt es keine, dafür einige spektakuläre Szenen, etwa wenn Magneto kraft seiner telekinetischen Fähigkeiten die Golden Gate Brücke aus ihrer Verankerung reisst. Und viele neue Figuren wurden eingebaut - auf Wunsch der Fans, wie es heisst. Angel (Ben Foster) etwa, ein Mutant mit Flügeln wie der Erzengel Gabriel. Oder der von Vinnie Jones gespielte Juggernaut, den nichts mehr aufhalten kann, wenn er einmal in Fahrt kommt. Und nicht zuletzt Kelsey Grammers Beast, ein blauhäutiges Monstrum und Liebling der Comic-Leser. Aber keiner dieser Charaktere ist wirklich für die Story wichtig, sie sind alle nur Staffage. Trotz seiner bunten Besetzung bleibt der vorerst letzte Teil der Serie ein seltsam farbloses Vergnügen. [Jürg Tschirren]
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