Der Teenager Prosper (Aaron Jonson) lässt seinen kleinen Bruder Bo (Jasper Harris) nicht im Stich. Der ältere nimmt Reissaus aus dem Waisenhaus und befreit Bo, den kecken Knirps, aus den Fängen der Pflegeeltern. Prosper gelingt die Flucht mit Bo nach Venedig, der Lagunenstadt, von der ihre Mutter so sehr schwärmte. Ein geheimnisvoller Maskierter hilft den beiden aus der Patsche und führt sie in seine Kinderbande ein, die in dem vergessenen Kino Stella haust.
Das Räubertrüppchen, das nicht klaut, sondern nur «Diebesgut» verhökert, wird vom undurchsichtigen 15jährigen Scipio (Rollo Weeks) angeführt, der sich gern als «Herr der Diebe» titulieren lässt. Der Hehler Barbarossa vermittelt der Kid-Gang den Auftrag, einen mysteriösen Flügel zu stehlen. Und das ausgerechnet bei der Fotografin Ida, die wiederholt die Wege eines gewissen Privatdetektiven Victor kreuzt, der die ausgerissenen Brüder Prosper und Bo ausfindig machen soll.
Das abenteuerliche Karussell nimmt Fahrt auf. Es dreht sich immer schneller und hebt ab. Magisch: Hier geht es um ein Vehikel, das jünger oder älter machen kann. Tiefsinnig betrachtet: Das Karussell ist ein Instrument, um der Fantasie Flügel zu verleihen, sich zu finden, sich zu befreien. Es ist auch eine Brücke zwischen Kindheit und Erwachsensein. Diese Freiheit lässt das Buch von Cornelia Funke aus dem Jahr 2000 seinen Lesern, diese Fantasie-Offenheit gesteht auch die Verfilmung von Richard Claus seinen Zuschauern zu. Die westfälische Autorin Funke, das deutsche Pendant zu Joanne K. Rowling, wurde für ihr Buch mit dem Schweizer Jugendliteraturpreis und dem Zürcher Kinderbuchpreis ausgezeichnet.
Die fantastische Venedig-Kulisse, die Balance zwischen Realität und Fantasie und das internationale Ensemble mit überzeugenden Kinderdarstellern (und einer Vanessa Redgrave in einer Nonnen-Nebenrolle) sind bestens eingestimmt. Nicht zuletzt macht die unspektakuläre, will heissen auf «Harry Potter»-Effekte verzichtende Inszenierung diese Literaturverfilmung so sympathisch. Die deutsche Produktion auf internationalem Niveau erzählt herzerfrischend eine Abenteuergeschichte von Verantwortung, Vertrauen und Freundschaft, Gier und Lieblosigkeit, Brüderschaften und Familiensinn. Und das macht sie spannend und stimmig.
Der Film wird dem Buch nicht gerecht!. Wie sehr ich dieses Buch geliebt habe. Herr der Diebe war schon immer mein Lieblingsbuch und Cornelia Funke machte das zu einer meiner Lieblingsautorinnen. Da wa...
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