The Magic Flute
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Filmkritik

Entzauberflöte

Der begabte Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh bannt nach Shakespeare-Werken nun die «Zauberflöte» auf Zelluloid. Oper als Film geht meistens schief, und auch Branagh kann trotz hohem Aufwand nicht alle Schwierigkeiten meistern. Kann er damit wenigstens neue Freunde für die Oper gewinnen?

Edle Absicht: Mit dem Film von Mozarts «Zauberflöte», der bis heute meistgespielten Oper, sollen neue Schichten für die Gattung Oper gewonnen werden. Dafür hat man Kenneth Branagh 2006 den teuersten englischen Film drehen lassen - am Geld liegt es also nicht. Oder doch? Der erste Stolperstein ist nämlich bereits die Besetzung: Eine Oper ist in erster Linie Musik, und die Hauptrollen sind durchwegs mit jungen, unbekannten Sänger zweiter oder dritter Wahl besetzt. Beim Orchester hat man zwar mit dem europäischen Kammerorchester einen Spitzenklangkörper verpflichtet, beim Dirigenten aber leider keinen Mozartspezialisten. So klingt das Orchester technisch brillant, allerdings nicht nach Mozart, wie man ihn heutzutage in historisierender Spielweise hören kann.

Wenn man also mit dem Klang und insbesondere den stimmlichen Leistungen der Solisten nicht beglückt wird, so wird man auch vom Aussehen und vom Spiel enttäuscht. Sänger sind keine Schauspieler, und das typische Operngrimassenspiel wirkt vor der Kamera übertrieben und eintönig. Damit nicht genug: Branagh hat sich entschieden, von Stephen Fry eine englische Fassung des Librettos anfertigen, die Handlung in die Zeit des Ersten Weltkriegs verlegen, Arientexte inhaltlich anpassen und neue Dialoge verfassen zu lassen. Das schmerzt die Kenner, denn der Trend geht klar in die andere Richtung: Kein renommiertes Haus, das sogar eine Eskimo-Oper nicht in der Originalsprache mit den historischen Originaltexten aufführte.

Wer diese Kröten zu schlucken bereit ist, bekommt aber auch etwas: Branagh sind tatsächlich einige spektakuläre Bilder gelungen wie beispielsweise die scheinbar aus dem Mund der Königin der Nacht ausrückenden Panzer. Er setzt ganz auf die Karte des Visuellen und die Mittel des modernen Films. Da ist seine Fantasie im Element, auch wenn Lippen in Elefantengrösse und andere Einfälle immer wieder Assoziationen an Bekanntes wecken - unter anderem an Bilder der Surrealisten. Übers Ziel hinausgeschossen ist er wohl beim Generieren ganzer digitaler Landschaften. Solche Bilder wirken als Selbstzweck, für das Verständnis oder die Stimmung nützen sie nichts.

So ist dieser Bilderzauber kaum etwas für die typischen Opernliebhaber, während er den anderen ein von der Realität stark abweichendes Opernbild vermittelt, das bei einem tatsächlichen Opernbesuch nur enttäuscht werden kann. Auch kann man sich fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, eine selten gespielte Oper zu adaptieren, zumal es von Ingmar Bergman schon eine Filmfassung gibt, und die echte Zauberflöte beinah zum Volksgut zählt. Deshalb ist es besonders fragwürdig, den Text weltberühmter Arien wie «Dies Bildnis ist bezaubernd schön» zu ändern. Auf der Strecke blieb die Mehrschichtigkeit des Originals. Konsequent wär es gewesen, gleich auch die Musik neu schreiben zu lassen.

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Mein Kommentar
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1 Kommentare
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Oberon

Geniestreich. Hallo Es ist sehr schade, dass dieser Film nicht mehr Beachtung und Lob fand. Die einführende Kritik oberhalb vermag es nicht an der Oberfläche zu kratzen. Die Zauberflöte ist als Ope...
mehr

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