Miuccia Prada freut sich bestimmt, denn grösser hätte das Product Placement - eine silbergraue Pradatasche mit gigantisch eingeprägtem Emblem des italienischen Modehauses - in der Eröffnungsszene nicht ausfallen können. Aber das ist gut so. Auch der letzte Modeidiot weiss danach, warum der Teufel Prada trägt.
Der Teufel ist niemand geringer als Miranda Priestly (Meryl Streep), Chefredakteurin des mächtigen Modeblattes «Runway». In den heiligen Hallen der Redaktion entscheidet sie, welcher Designer morgen hip ist und wer out. Doch ihr grösstes Problem ist es, eine gute Assistentin zu finden und diese auch zu halten. Wie durch ein Wunder wird die frischgebackene College-Absolventin Andy Sachs (Anne Hathaway), die so gar nichts mit Mode am Hut hat, für den Job eingestellt.
Andy, die mit dem Traum Journalistin zu werden nach New York gekommen ist, will eigentlich lieber die Redaktion des «New Yorkers» erobern. Leider ist da gerade nichts frei, und sie muss erst mal mit der Assistentinnen-Stelle bei Miranda vorlieb nehmen. Schnell wird der Job zum Alptraumslalom zwischen Glamourterror und den fast unerfüllbaren Ansprüchen ihrer Chefin. Doch so schnell will sich die hartnäckige Andy nicht unterkriegen lassen. Sie will den Job mindestens ein Jahr lang behalten, sie weiss, dass sich so einige Türen öffnen könnten.
So verwandelt sich Andy wie in einem Vorher-Nachherstück von der grauen College-Maus in eine Fashionista ersten Grades, die dem Trend immer ein Stück voraus ist und auch Mirandas extravagante Wünsche in Windeseile erledigen kann. Doch als die Teufelin Andy eines Tages mit der Aufgabe betreut, das unveröffentlichte Manuskript von JK Rowlings «Harry Potter» für die Zwillingstöchter aufzutreiben, will Andy das Handtuch hinwerfen.
Alles Fiktion? Lauren Weisberg, die Autorin der Romanvorlage, weiss, von was sie schreibt. Sie selbst war Redaktionsassistentin der berühmt-berüchtigten Vogue-Chefredakteurin Anne Wintour. Man munkelt, das Buch sei eine Art Abrechnung.Den Roman braucht man indessen nicht mehr zu lesen, denn der Film ist eindeutig besser. Die Charaktere sind subtiler und nuancierter ausgearbeitet. Noch nie war jemand so wunderbar böse wie Meryl Streep als eisig-kalte Modekönigin. Gerade Szenen, in denen Streep spontan über die Farbe Blau im Werk von Yves Saint Laurent referiert, lassen auch an Mode uninteressierte beeindruckt aufhorchen. Bei so viel Mode kam für Regisseur David Frankel selbstverständlich nur eine Costumière in den Sinn - Patricia Field, die schon in «Sex and the City» erfolgreich gewirkt hat.
Was nun aber wie eine oberflächliche Modekomödie daherkommt, stellt im Subtext eine wichtige Frage: Wie weit darf eine Frau für die eigene Karriere gehen. Eine Frage, die sich leider noch heute den Männern nur selten stellt. Welche Opfer Andy bringt, sehen Sie sich am besten selber an. Ein Film also - ja, ein sehr lustiger sogar - nicht nur für modebewusste Frauen und Männer, sondern allgemein für emanzipierte Zeitgenossen.
Übrigens: Anne Wintour liess es sich nicht nehmen, an der New Yorker Premiere des Filmes mit dabei zu sein - selbstverständlich trug sie ein Kleid von Prada.