The Da Vinci Code - Filmkritik
| Aka Titel: | The Da Vinci Code - Sakrileg |
| Land (Jahr): | USA (2006) |
| Genre: | Drama, Mystery, Thriller |
| Filmlänge: | 149min |
| Regie: | Ron Howard |
| Kinostart: | 17.05.2006 |
| 18.05.2006 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Akiva Goldsman |
Die Lust am Beweisen
Anhaltende weltweite Proteste, ein eigener kleiner Plagiatsprozess: «The Da Vinci Code» ist längst ein Perpetuum Mobile aus Kontroverse und Werbung geworden. Zum Start der Bestsellerverfilmung hat ein Inder sogar einen Hungerstreik gestartet. Man könnte ihm Entwarnung geben, denn Regisseur Ron Howard beleidigt nicht Jesus, sondern höchstens ein bisschen die Zuschauer.
Es ist, als hätte man den fulminanten Start von Ron Howards Zweieinhalbstünder bereits gesehen: Ein Kurator rennt durch die Gänge des Louvre, ein Albino in Mönchskutte (Paul Bettany, sehr toll) verfolgt ihn, es spielt dazu Hans Zimmers Score (donnernd wie immer), der Kurator stirbt. Im Nebenzimmer tritt Tom Hanks als Symbolexperte Robert Langdon auf, ein verbohrter Polizist (Jean Reno) holt ihn wenig später aus der Signierstunde. Langdon soll bei der Mordaufklärung mithelfen, denn das Opfer hat seltsame Zeichen hinterlassen. Und bald stösst auch die Polizeikryptologin Sophie Neveu (Audrey Tautou) dazu.
Der temporeiche Beginn zieht sofort in den Bann. Was danach folgt, hat viel mit Glauben zu tun, vor allem mit Howards Hoffnung auf leichtgläubige Zuschauer: Langdon und Neveu begeben sich höchst fatalistisch auf eine puzzlehafte Schnitzeljagd, die gleichzeitig Handlungsmotor ist. Das Paar knackt Zahlenreihen oder interpretiert Gedichte, das Rätselhafteste bleiben allerdings die Motivationen des Duos, überhaupt irgendetwas zu tun. Da ist es gut, dass Ian McKellen bald als wuseliger Religionsgelehrter Sir Leigh Teabing auftreten darf, er hat Spass an seiner Rolle und darf die (literarische) Hauptthese Dan Browns präsentieren, wonach Jesus mit Maria Magdalena ein Kind gezeugt habe, die Nachfahren noch heute lebten und die katholische Sekte Opus Dei alles vertuschen wolle.
Man muss das Buch nicht gelesen haben, um den stilvollen Film zu verstehen. Das hat sich auch Howard so gedacht, der Geschichtliches wie die Hexenverbrennung mit ambitionierten nachgestellten Szenen illustriert. Allerdings wird auch Selbsterklärendes wie die Flucht aus einem Flugzeug noch im Nachhinein filmisch beglaubigt: Was nicht sichtbar ist, gibt es nicht. Bei all dem Lehrerhaften fehlt dem Thriller etwas der Thrill, dafür gibt's umso mehr das Er - unzählige wirkliche und fiktive Religionsmythen, leere Kirchen, bei denen die Sonne immer quer hineinleuchtet: Es ist manchmal ein bisschen wie früher, als man mit den Eltern katholische Hotspots ansehen ging.
Was Howard gemacht hat, ist eine psychologisierte Version des Buches: Aus Langdon wird gegen Ende des Films sogar noch halbwegs ein Mann des Glaubens. Damit werden konservative Hollywoodkonventionen bedient, gleichzeitig wird aber auch Browns Buchthese völlig entschärft. Es ist dieses Lauwarme, Zurückhaltende, das stört an dem Film. Man sieht ihm zwar an, wie mühevoll gearbeitet wurde, um das Erfolgsbuch auf die Leinwand zu werfen. Unter der Lust am Beweisen und dem umsichtigen Richtigmachen erdrückt Howard aber das Kinoerlebnis etwas. Es ist ein kluger (und unkontroverser) Film - aber er ist eben auch unsexy, sehr erwachsen, verstaubt, redselig, etwas langweilig. Und er lässt jeglichen Humor vermissen. Aber dafür gibt es ja «Monty Python and the Holy Grail». [Pascal Blum]
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