Eine Weisheit häufiger Kinogänger besagt, dass zwischen den Erwartungen an einen Film und seiner anschliessenden Beurteilung eine Beziehung besteht. Erfahrungsgemäss ist diese umgekehrt proportional. Weniger abstrakt: Tiefe Erwartungen generieren angenehme Überraschungen, hohe hingegen des Öfteren herbe Enttäuschungen. Falsche Erwartungen wie bei «The Break Up» gehören in die zweite Kategorie. Das Pressematerial beschreibt «Trennung mit Hindernissen» - so der deutsche Verleihtitel - als eine witzig freche Geschichte voll turbulenter Wendungen. Massgeschneidert für alle, die «Sex and the City» lieben, so die Pressenotiz. Was den Zuschauer in Tat und Wahrheit erwartet, ist eine tragische Beziehungsgeschichte, die nur wenig Anlass zu Gelächter bietet.
Brooke (Jennifer Aniston) und Gary (Vince Vaughn) lernen sich im Baseball-Stadion kennen. Sie, Angestellte in einer Kunstgalerie. Er, rumblödelnder Stadtführer an Deck eines Touristenbusses. Die Beiden verlieben sich und kaufen sich gemeinsam eine schicke Wohnung in Chicago. Soweit der 4-minütige Vorspann. Danach geht es auch gleich zur Sache im kriselnden Haushalt. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, fällt nach einem Essen mit Freunden. Gary zieht es nämlich vor in die Glotze zu schauen, anstatt seiner Brooke beim Abwasch zu helfen. Was folgt, ist eine Tirade von Anschuldigungen und Gegenanschuldigungen, die dramatischer nicht enden könnte: Brooke trennt sich von ihrem zugegeben ziemlich unsympathischen, faulen und selbstgerechten Gary. Doch das ist natürlich erst der Anfang vom Ende. Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Freunde, Bekannten, Verwandten und Arbeitskollegen (fast ausnahmslos bekannte Nebendarsteller, die kaum über vier Zeilen hinaus kommen) hecken beide immer neue Möglichkeiten aus, den Partner aus der gemeinsamen Wohnung zu ekeln. Und bevor es Brooke realisiert, ist der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, überschritten. Die Eskalationsspirale ist in Bewegung.
Vor 17 Jahren brillierten Kathleen Turner und Michael Douglas in «The War of the Roses» («Der Rosenkrieg») in einem ähnlichen Setting. Die Parallelen sind unverkennbar. Leider hat sich der Regisseur Peyton Reed («Down with Love») zu wenig an das exzellente Gemisch von Tragik und Komik der mutmasslichen Vorlage gehalten. Das Resultat ist eine verkappte Komödie, die nie richtig lanciert wird. Abwechslungsweise wirken entweder die tragischen oder die komödiantischen Elemente störend. Symptomatisch für den halbbatzigen Rosenkrieg ist sein unangenehmes Ende. Als Schluss einer tragischen Beziehungsstudie wäre die Szene hervorragend. So aber ist die Geschichte samt Schluss weder Fisch noch Vogel.