The Black Dahlia - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland, USA (2006) |
| Genre: | Crime, Drama, Mystery, Thriller |
| Regie: | Brian De Palma |
| Kinostart: | 26.10.2006 |
| 08.11.2006 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Josh Friedman |
| Kamera: | Vilmos Zsigmond |
Leben und Sterben in L.A.
Brian De Palma verfilmt den ersten Teil von James Ellroys L.A.-Tetralogie. Was in Romanform ein vielschichtiger, fiebriger Albtraum war, wirkt auf der Leinwand seltsam blutleer - trotz einer schönen Leiche und vielen Stars.
Es ist der berüchtigtste ungeklärte Mordfall in der Geschichte von Los Angeles: Am 15. Januar 1947 entdeckte die Polizei auf einem leerstehenden Grundstück die grausam verstümmelte Leiche einer 22 jährigen Frau. Ihr Körper war zweigeteilt, in der Mitte durchtrennt, die inneren Organe fachmännisch entnommen, das Gesicht durch einen tiefen Schnitt vom einen Ohr zum anderen entstellt. Die Tote hiess Elizabeth Short, doch wegen ihrer schwarzen Kleidung und dem damals populären Kinofilm «The Blue Dahlia» kannte man sie bald nur noch als «The Black Dahlia» - die schwarze Dahlie.
Im Verlauf der Ermittlungen gerieten bekannte Namen in den Kreis der Verdächtigen: Der Herausgeber der «Los Angeles Times» Norman Chandler etwa, der Folksänger Woody Guthrie oder der Regisseur Orson Welles. James Ellroy machte den Fall zum Ausgangspunkt seiner L.A.-Tetralogie, einem Zyklus von Büchern, die im Hollywood der 1940er und 1950er spielen und den Ort als modernes Babylon voll Korruption und Verderbtheit zeigen.
«The Black Dahlia» (1987) erzählte von den beiden Polizisten Dwight «Bucky» Bleichert und Lee Blanchard, die bei ihren Ermittlungen in ein Netz von Intrigen geraten und selbst in einer Dreiecksbeziehung gefangen sind. Ein Stoff wie gemacht für Regisseur Brian De Palma, könnte man meinen: Gewalt - nicht zuletzt gegen Frauen - war Grundmotiv seiner besten Filmen («Carrie», «Dressed to Kill»); sein Können im Umgang mit Period Pieces hat er mit «The Untouchables» bewiesen.
Das Resultat sieht denn auch sehr schön aus - grandiose Kamerafahrten, perfekt choreographierte Schiessereien und Boxkämpfe, herrliche Kulissen. Bloss der Film, der zwischen all dem zwei Stunden lang spielt, ist wenig interessant. Was sich bei Ellroy wie ein vielschichtiger, fiebriger Albtraum las, wirkt bei De Palma seltsam blutleer. Während am Ende des Buches die Erzählstränge zusammenlaufen und schlagartig alles Sinn ergibt, ist das Finale des Films in etwa so überraschend als würde das letzte Puzzle-Stück in ein längst bekanntes Bild gefügt.
Nicht einmal die Star-Besetzung kann da helfen. Während Aaron Eckhart seinen Blanchard noch mit viel Verve spielt. wirkt Josh Hartnett als «Bucky» Bleichert fahl wie immer. Hilary Swank ist als Femme Fatale eine Fehlbesetzung und darüber, ob Scarlett Johansson wirklich eine gute Schauspielerin ist, müsste dringend diskutiert werden. Vielleicht im Forum dieser Seite.
[Jürg Tschirren]
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