Schwarze Schafe - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland, Schweiz (2006) |
| Genre: | Comedy |
| Filmlänge: | 94min |
| Regie: | Oliver Rihs |
| Kinostart: | 06.09.2007 |
| 27.02.2008 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Thomas Hess |
Sammelsurium an Derbheiten und Perversionen
Eine Gruppe von Verrückten aus der deutschen Hauptstadt begegnet einem in Oliver Rihs neuer Satire «Schwarze Schafe» - einer witzigen Komödie, die weder vor der geschmacklosesten Derbheit noch von der grössten Skurrilität zurückschreckt.
Ein begabter Hochstapler, der sich eine Hand absägen will, zwei Möchtegern-Satanisten, die eine komatöse Oma für ein perverses Ritual missbrauchen, drei junge Türken, die das Eine suchen und dabei auf religiöse Sinnsuche geraten und eine Reiseführerin, die auf einem Touristenboot für Chaos sorgt - der Schweizer Regisseur Oliver Rihs präsentiert in seinem neuen Film «Schwarze Schafe» eine Gruppe von Berlinern, die schräger nicht sein könnten und bei denen man aber vor allem über eines froh ist: sie nicht persönlich zu kennen.
Es sind verschiedene Einzelgeschichten, die in «Schwarze Schafe» erzählt werden. Einen Tag und eine Nacht lang werden die Protagonisten durch ihr verrücktes Leben begleitet. Klar, manche Dinge könnte man als geschmacklos bezeichnen (z.B. strotzt der Film nur so von ekelerregenden Körperflüssigkeiten und sexuellen Tabus), doch scheinen diese als bewusste Trash-Elemente eingesetzt worden zu sein. Auf jeden Fall Hut ab vor den Schauspielern, die den Mut dazu besassen, die Berliner Perverslinge zu verkörpern: So ist zum Beispiel auch Robert Stadlober («Crazy») als triebgesteuerter Homosexueller dabei und Serien-Newcomer Eralp Uzun («Alle lieben Jimmy») zeigt als Klischee-Türke vollen Körpereinsatz.
Unter dem Motto «Es gibt nichts, was es nicht gibt» entpuppt sich die in schwarz-weiss gefilmte Komödie von Anfang an als völlig durchgeknallte Tour durch das Skurrilitäten-Kabinett. Die Lachmuskeln werden bis zur letzten Szene ausgiebig strapaziert. Aber selbst eingefleischten Fans von schwarzem Humor wird in «Schwarze Schafe» bei manchen Szenen vor lauter Schwärze und Boshaftigkeit das Lachen im Hals stecken bleiben. Dass dies manchmal auch mächtig unter die Gürtellinie geht (dabei sogar Hollywood-Komödien wie «American Pie» in den Schatten stellt) und Klischees am laufenden Band auszumachen sind, ist Rihs zu verzeihen, zu komisch und originell ist sein pointenreicher Film, so dass man manchmal kaum Ohren und Augen trauen kann, was einem da geboten wird. Wohl einer der provokativsten Filme dieses Jahres! [Stephan Sigg]
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