Die Ehe von Claire (Laura Linney) und Stewart (Gabriel Byrne) hat vor Jahren bereits eine grosse Krise überwunden: Nach der Geburt ihres Sohnes zog sich Claire zu ihrer Mutter zurück und überliess Vater und Neugeborenes der Obhut ihrer Schwiegermutter. Für Stewart ist es die zweite Ehe, seine erste Frau verliess ihn, und das hat er noch nicht verwunden. Auch in dieser Krise half seine Mutter, und als sie nun zu Besuch kommt, geraten die beiden Frauen immer wieder aneinander. Das sind aber nicht die einzigen Spannungen innerhalb und zwischen den wenigen Familien, die in einer vom Meer entfernten Kleinstadt leben und arbeiten.
Viel kann man hier nicht unternehmen, und so ist die traditionelle Tour der Männer zum Fischen in einem abgelegenen Bergsee ihr jährlicher Ereignishöhepunkt. Die Frauen sind davon ausgeschlossen, woran auch ein junger Neuling nichts ändern kann, der kürzlich Vater geworden ist. Er steht unter der Fuchtel seiner mit allen Wassern gewaschenen Frau und will mit seiner Naivität und geringen Naturverbundenheit nicht gut zu den anderen passen. Die meisten Frauen nutzen allerdings die Abwesenheit ihrer Männer, um sich ganz gut ohne jene zu amüsieren. Als es aber zu einer kriminellen sozialen Katastrophe kommt, blättert der Lack von den freundlichen Beziehungsfassaden ab, die Spannungen treten an die Oberfläche, und es bilden sich breite Risse. Jetzt schlägt die Stunde der Frauen. Die meisten befanden sich bisher eher in einer Opferrolle, aber in der Krise können sie zeigen, was in ihnen steckt und wie sie die Schwierigkeiten meistern, die ihnen eingebrockt wurden.
Regisseur Ray Lawrence hat sich wieder, wie schon in dem erfolgreichen «Lantana», auf die Schauspieler verlassen und ein differenziertes Gefühlsdrama geschaffen, das die Grenze gegenseitigen Verstehens erforscht. Wie schon bei «Lantana» gäbe es eine Kriminalgeschichte, für die er sich aber nicht interessiert. Ihn interessiert vielmehr, wie (Not-)Lügen zu Mutmassungen und Verdächtigungen führen, die Fantasie anregen, sich als Triebmittel für Beziehungs- und Lebensentscheidungen entwickeln und das öffentliche Leben entgleisen lassen.
Elegant eingewoben ist der an Peter Greenaway erinnernde Erzählstrang zweier Schulkinder, deren mystische Vorstellungswelt von einem versunkenen Dorf in einem nahegelegenen Stausee beflügelt wird und handfeste Auswirkungen aufs reale Leben hat. Als Zugabe kann man die wunderschönen, funktional integrierten Landschaftsaufnahmen geniessen. Schade nur, dass man an der Präparation eines zentralen Requisits gespart hat.
ich fand den Film gut.