Das wohl bekannteste Stück der Gruppe Suicide trägt den Titel «Ghost Rider». Es ist ein minimalistischer Electro-Track, der während kurzen zweieinhalb Minuten vor sich hin rattert. Unaufwendig produziert, fast schon monoton, besitzt der Track eine hypnotische Sogkraft, die süchtig macht. Es lässt sich ohne Häme sagen, dass der Film «Ghost Rider» genau das Gegenteil von all dem ist. Es ist einer dieser Filme, bei denen es nicht stört, wenn im Kino ein Mobiltelefon klingelt, weil sowieso alles laut ist. Es ist ein Film, der nicht anders aussehen würde, wenn ihn ein Vierzehnjähriger gedreht hätte - was nicht per se schlecht sein soll.
«Ghost Rider» war eine Comicserie des Marvel-Verlags, die in den USA zuerst von 1973-1983 erschien. Schon im Mutterland keine richtig grosse Nummer, ist sie in Europa wohl nur Fans bekannt. Die Serie erzählt die Geschichte von Johnny Blaze, einem jungen Motorrad-Stunt-Fahrer, der seine Seele an den Teufel verkauft, um das Leben seines Vaters zu retten. Auch wenn sich später herausstellt, dass er den Pakt doch nicht mit Luzifer persönlich einging, sondern mit einem Dämon namens Mephisto(pheles), zahlt er einen hohen Preis: Wenn die Nacht anbricht, wird aus Johnny Blaze fortan der Ghost Rider, ein Skelett mit Flammenschädel - flammendes Motorrad, flammende Eisenkette und schicke Lederjacke inklusive.
Dass mit dem Ghost Rider eine weitere Marvel-Figur in die Kinos kommt, war seit einigen Jahren angekündigt. Zuerst hiess es, Johnny Depp habe Interesse an der Rolle, schliesslich wurde Nicolas Cage verpflichtet (der auch Teile des Scripts schrieb). Wer im Film trotzdem an Depp denkt, liegt nicht falsch: Cages Johnny Blaze wird ungefähr so zurückhaltend gespielt wie Captain Jack Sparrow in «Pirates of the Caribbean», auch wenn hier eher Elvis Rolemodel war statt Keith Richards. Der Effekt ist derselbe, rettende: Das Overacting macht eine Story erträglich, die von Absurditäten, Knalleffekten, Logiklöchern und dämlichen Sprüchen nur so strotzt.
Regisseur Mark Steven Johnson wusste wohl ungefähr, auf welchem Terrain er sich bewegt. Das zeigt auch das restliche Casting: B-Movie Legende Peter Fonda darf als Mephistopheles satanisch lachen, von Eva Mendes werden hauptsächlich die Brüste und der Po ins rechte Licht gerückt. Nimmt man alles zusammen, hat man computerunterstütztes Trash-Kino, das sich selbst nicht zu ernst nimmt. Wer so etwas nicht mag, bleibt besser zu Hause.