Elementarteilchen - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland (2006) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 116min |
| Regie: | Oskar Roehler |
| Kinostart: | 06.04.2006 |
| Drehbuch: | Michel Houellebecq |
| Oskar Roehler |
Die späten Opfer der freien Liebe
Oskar Roehlers «Elementarteilchen» ist eine nicht wirklich geglückte Leinwandadaption von Michel Houellebecqs gleichnamigem Kultroman.
Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, der Mikrobiologe Michael und sein Halbbrüder, der extrovertierte Bruno. Söhne einer Mutter, die als Flower Power-Jüngerin ihre persönliche Freiheit und Sexualität Ende der 60er Jahre wichtiger einstufte als die Aufzucht ihrer Söhne, wuchsen die beiden bei ihren Grosseltern väterlicherseits auf. Nun aber sind Michael und Bruno erwachsene Männer und kämpfen - zumindest das haben sie gemein - mit ihren Neurosen, sprich: ihrem gestörten Beziehungs- und Sexualverhalten.
Im Paris von 1998 hat Michel Houellebecqs Kultroman «Elementarteilchen» gespielt; Oscar Roehlers darauf beruhender Film spielt im Berlin von heute. Einige Jahre jünger als Houellebecqs Helden sind Michael und Bruno und rasseln zum Filmanfang in die Krise. Der sexsüchtige Bruno versucht während einer Besprechung mit einer aufreizend gekleideten Schülerin zu masturbieren und liefert sich darauf hin selber in eine psychiatrische Klinik ein. Michael will sich künftig ganz seinem Spezialgebiet, der ungeschlechtlichen, menschlichen Fortpflanzung, widmen, gibt seine Stelle in einem renommierten Forschungsinstitut auf und rasselt in die Einsamkeit.
In ihrer Gefühlsversehrtheit unübersehbar Seelenverwandte der Protagonisten von Roehlers «Agnes und seine Brüder» sind Michael und Bruno. Erlöst aus ihrer Not werden sie durch Frauen. Bruno, inzwischen geschieden und arbeitslos, lernt in einem esoterischen FKK-Camp die lebenslustige und ebenfalls sexsüchtige Christiane kennen. Michael begegnet Annabelle, der platonischen Liebe seiner Jugend wieder, und wird von ihr mit zwanzig Jahren Verspätung ins Reich der körperlichen Liebe eingeführt. Nun könnte alles gut kommen, kommt es aber nicht - und damit sind wir bei der Krux von Roehlers Film angelangt.
Ohne falsche Scham inszeniert und in den Hauptrollen mit Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Martina Gedeck und Franka Potente ein deutsches Powerquartett vorführend, ist Roehlers «Elementarteilchen» für sich genommen nicht schlecht; eine melancholische Abhandlung über die Beziehungsunfähigkeit heutiger deutscher Männer (und Frauen). Als Verfilmung von Houellebecqs Kultroman ist Roehlers Version aber eine herbe Enttäuschung. Ganz abgesehen davon, dass schon die Verlegung des Handlungsortes sträflich anmutet - muffeliges Teutonentum ist etwas anderes als kulturpessimistischer, französischer Lebensverdruss - hat Roehler auch bei Seite gelassen, was Houellebecqs Roman spannend macht: den Entwurf einer Zukunftsvision einer ohne Sex und Liebe funktionierenden Gesellschaft. Quel crime! [Irene Genhart]
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Bettina: hatte mehr erwartet, etwas kürzer wäre der film sp... |
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Pascal: Ich bin wirklich überrascht, hat dieser Film noch ... |

