Der Räuber Hotzenplotz - Filmkritik
| Land (Jahr): | Deutschland (2006) |
| Genre: | Children's |
| Filmlänge: | 94min |
| Regie: | Gernot Roll |
| Kinostart: | 30.03.2006 |
| Kamera: | Gernot Roll |
| Produktion: | Martin Burkert |
Eine Kasperlgeschichte
31 Jahre nach der ersten Verfilmung des «Räuber Hotzenplotz» mit Gert Fröbe in der Rolle des schwerbäuchigen Bösewichts inszenieren «Sams»-Produzent Ulrich Limmer und Regisseur Gernot Roll eine Neuausgabe des Kinderbuchklassikers von Otfried Preussler mit deutscher Starbesetzung.
Die Verfilmung vereint die ersten zwei Bände der «Hotzenplotz»-Trilogie: Dabei stiehlt der gefürchtete Räuber Hotzenplotz (Armin Rohde) die Kaffeemühle der Grossmutter (Christiane Hörbiger), um sie dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Rufus Beck) zu verhökern. Der kann das gute Stück nicht gebrauchen, was er aber will, ist ein dummer Bursche, der ihm die Kartoffeln schält. Kasperl (Martin Stührk) und Seppel (Manuel Steitz), ausgezogen um den Hotzenplotz zu fangen, gehen ihrerseits dem Räuber in die Falle. Das ermöglicht Hotzenplotz, Kasperl gegen Schnupftabak an Zwackelmann zu verkaufen und Seppel als Knecht in seiner Höhle schuften zu lassen.
Die Lage scheint ziemlich aussichtslos, denn Hilfe ist kaum zu erwarten, vor allem nicht von Wachtmeister Dimpfelmoser (Piet Klocke), der bei Hellseherin Frau Schlotterbeck (Katharina Thalbach) und deren Kroko-Dackel Wasti um Rat nachsucht. Kasperls einzige Hoffnung ist die von Zwackelmann in eine Kröte verwandelte Fee Amaryllis (Barbara Schöneberger)...
Otfried Preussler nennt seinen «Räuber Hotzenplotz» eine Kasperlgeschichte, und es ist eine schöne Idee der Filmemacher, den Vorspann dementsprechend als Puppenspiel zu gestalten. Auch die Kulissen der einzelnen Schauplätze im Real-Teil sind fantasievoll, märchenhaft ausgeschmückt und quietschbunt zusammengestellt. Einzig die Digital-Effekte wie beispielsweise das Pixelgeschöpf Kroko-Dackel Wasti oder das Händchen à la «Addams Family», sozusagen Zwackelmanns rechte Hand, passen nicht recht in diese Fantasiewelt. Da ist denn auch Ulrich Limmers Aussage, dass «diese (Trick)Technik tatsächlich nur der Geschichtenerzählung dient und nie zum Selbstzweck wird», nicht ganz zum Nennwert zu nehmen.
Ein weiterer Schwachpunkt des Films ist, dass das Drehbuch allzu sehr auf Slapstickeinlagen und Clownerien setzt und feinsinnigen Humor beziehungsweise Wortwitz vernachlässigt. Dementsprechend ist «Der Räuber Hotzenplotz» eher für ein jüngeres Publikum zu empfehlen. Ältere Kinder erwarten heutzutage im Kino wohl mehr als ein dicker bärtiger Bösewicht, der mit Pfefferpistole rumpurzelt und tollpatschig gegen Wände rennt, mögen diese noch so bunt sein. [Monique Brunner]
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