Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) ist die Verkörperung des linientreuen DDR-Bürgers. Stets korrekt und ohne jeden Anflug von Sentimentalität geht er seiner Arbeit, dem Aufspüren unsozialistischen Verhaltens, nach. Wiesler, ein Meister der Überwachung und des Verhörs, der den Klassenfeind an den kleinsten Indizien erkennt, erhält den Auftrag, den erfolgreichen Schriftsteller Georg Dreymann (Sebastian Koch) zu überwachen. Schnell wird ihm klar, dass Dreymann, dessen Lebenswandel tadellos ist, nur eine Schachfigur in einem schmutzigen Spiel ist. Wieslers Chef (Ulrich Tukur) erhofft sich von der Entlarvung des prominenten Dreymanns einen Karriereschub, und dessen Vorgesetzter (Thomas Thieme) wiederum ist hinter der Freundin des Observierten (Martina Gedeck) her. Dreymann muss dran glauben, und wenn es dafür keinen Grund gibt, dann inszeniert man eben einen.
Der real existierende Sozialismus ist hier kein visionäres Projekt, sondern ein kleinkarierter Lügenstaat, der sich vor seinen eigenen Bürgern fürchtet und selbst Unschuldige rund um die Uhr bespitzelt; persönliche Eitelkeit und Intrigen haben grosse politische Ideale ersetzt. Allmählich kann sich auch der Vorzeigesozialist Wiesler nicht mehr vor der deprimierenden Wahrheit verschliessen und verzweifelt an dem System, dem er sein Leben gewidmet hat. Auch Nationalschriftsteller Dreymann hadert mit sich und der Welt: Als sich ein mit Berufsverbot belegter Freund das Leben nimmt, entschliesst er sich zum Bruch.
In der Inszenierung des miefigen DDR-Alltags, dieser absonderlichen Mischung aus Diktatur und Spiessertum, liegt die grosse Stärke von «Das Leben der Anderen»; hier gelingt es dem Film das angestrebte Gegengewicht zu Filmen wie «Sonnenallee» zu bilden. Aber während Ulrich Mühe ein wirklich erschütterndes Portrait eines Verlierers entwirft, wirkt Sebastian Koch nie ganz überzeugend. Das liegt weniger am Können des Schauspielers, sondern an dessen zu konstruierter Rolle, deren Kombination aus Naivität und Opportunismus nicht stimmig ist. Vollends missglückt ist der überlange Epilog, dessen Bemühen um Versöhnung den Regisseur zwar ehrt, in Sachen dramaturgischer Ökonomie aber das krasse Gegenteil des übrigen Films ist; die Gesamtwirkung des Films aber schmälert dies glücklicherweise nur unwesentlich.