| Land (Jahr): | Frankreich, Mexiko, USA (2006) |
| Genre: | Action, Comedy, Crime, Western |
| Filmlänge: | 95min |
| Regie: | Joachim Roenning |
| Espen Sandberg | |
| Kinostart: | 31.08.2006 |
| 18.01.2006 (Romandie) |
Gut im Schuss
Es gibt schlechtere Ideen als einen lustigen Western mit Penélope Cruz und Salma Hayek zu drehen. Aber selbst die entzückenden Hauptdarstellerinnen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch originellere Geschichten gibt als das Drehbuch von «Bandidas».
Mexiko, 1888: Dwight Yoakam ist ein amerikanischer Geldeintreiber mit dem Plan, sich das Land der Einheimischen unter den Nagel zu reissen. Dazu trägt er eine hässliche Langhaarperücke und schiesst jeden über den Haufen, der ihm den Grund und Boden nicht freiwillig abtritt. Zu den Leichen, die seinen Weg pflastern, gehören auch ein Grossgrundbesitzer und ein einfacher Bauer. Beide hinterlassen eine Tochter, die eine entsprechend reich und verwöhnt, die andere arm und ungehobelt.
Die zwei Frauen - Salma Hayek spielt die hochnäsige Schnepfe, Penélope Cruz den Bauerntrampel - schwören Rache und bestehlen darauf die Banken, in denen das Geld des Amerikaners lagert. Der erste gemeinsame Überfall scheitert noch fast an Unstimmigkeiten darüber, ob Cruz' Gesichtsmaske farblich zum Rest des Outfits passt. Aber mit Hilfe einiger prominenter Nebenfiguren (Steve Zahn als schreckhafter Sidekick, Sam Shepard spielt einen Bankräuber im Ruhestand) ist aus den beiden ungleichen Damen spätestens beim bleihaltigen Showdown ein Herz und eine Seele geworden.
Es war noch nie eine schlechte Idee, einen Comedy-Western mit zwei schönen Frauen zu besetzen (wer Beweise braucht: Louis Malles «Viva Maria!»). Bei entsprechender Disposition kann man sich hier über die 85 Minuten Filmlänge entweder an Hayeks Mimik oder an Cruz' hinreissendem Akzent erfreuen - oder am Gedanken, beide im Mieder gesehen zu haben. Und «Bandidas» hat noch mehr zu bieten, eine solide Regiearbeit zum Beispiel (Joachim Roenning und Espen Sandberg), einen schöne Neo-Spaghettiwestern-Score und Bilder, die mit grandiosen Landschaften, weiten Kameraschwenks und Zoom-Ins an klassische Hollywood-Western erinnern - selbst wenn sie generisch wirken.
Das alles kann trotzdem nicht über das recht einfallslose Drehbuch hinwegtrösten, das Produzent Luc Besson mitverantwortet hat. Auf Überraschungen wartet man vergebens, eigentlich weiss jeder halbwegs vernunftbegabte Kinogänger nach ein paar Minuten, wie sich die Geschichte entfalten wird. Ohne die beiden Hauptdarstellerinnen, denen der Abstecher in seichtere Gefilde sichtlich Spass gemacht hat, ist nicht viel Erinnerungswürdiges. Selbst der Verleiher scheint dem Film nicht ganz getraut zu haben: «Bandidas» startete bereits Anfang des Jahres in Frankreich, in den USA wird er erst Ende September anlaufen. [Jürg Tschirren]
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