Saint Jacques... La Mecque - Filmkritik
| Aka Titel: | Saint Jaques... Dann gehen wir mal! - Pilgern auf französisch |
| Land (Jahr): | Frankreich (2005) |
| Filmlänge: | 103min |
| Regie: | Coline Serreau |
| Kinostart: | 14.12.2006 |
| 13.10.2005 (Romandie) | |
| Kamera: | Jean-François Robin |
| Produktion: | Charles Gassot |
Zu Fuss zu sich selbst
Pilgerreisen erleben seit einiger Zeit eine Renaissance. In Zeiten globaler Verunsicherung gewinnen alte, längst überholt geglaubte Rituale neue Attraktivität.
Mit Religion oder spiritueller Selbstfindung haben die drei Geschwister Clara (Muriel Robin), Pierre (Artus de Penguern) und Claude (Jean-Pierre Darroussin) allerdings nichts am Hut. Den langen Marsch nach Santiago de Compostela nehmen sie auf sich, weil sie nur nach abgeschlossener Pilgerreise die Erbschaft ihrer Mutter antreten können.
Natürlich können sich die Geschwister nicht ausstehen; Clara ist eine resolute Lehrerin, die für ihr Leben gern streitet, Pierre ein hyperaktiver CEO und Claude ein chronischer Säufer. Und auch unter den übrigen Teilnehmern der Wandergruppe hat es einige interessante Exemplare. Etwa der junge Araber Said (Nicolas Cazalé), der nur mit von der Partie ist, weil er es auf eine ehemalige Klassenkameradin abgesehen hat. Im Schlepptau hat er den minderbemittelten Ramzi (Aymen Saïdi), der überzeugt ist, dass er in Wirklichkeit nach Mekka pilgert.
Drehbuchautorin und Regisseurin Coline Serreau dürfte hierzulande vor allem durch ihre Junggesellenkomödie «Drei Männer und ein Baby» bekannt sein, mit dem sie vor 20 Jahren internationale Erfolge feierte. So unterschiedlich die Themen, die Filme sind sich doch nicht unähnlich: Auch in «Saint Jacques... la mecque» müssen sich drei Figuren an neue, von aussen aufgezwungene Verhältnisse anpassen. Denn an Konflikstoff mangelt es in der bunten Reisegruppe nicht, fast jeder streitet hier irgendwann mal mit jedem. Doch am Ende finden die ungleichen Figuren zusammen und vor allem zu sich selbst. Der Gang zum Grab des Apostels Jakobus wird so zum Weg der Selbstfindung.
Die Handlung ist im Grossen und Ganzen zwar absehbar, weiss im Kleinen aber zu unterhalten und zu erfreuen. Das Gespür für die richtige Mischung aus Lachern und Wohlfühl-Momenten hat Serreau nicht verloren, zumindest in den ersten zwei Dritteln. - Am letzten grossen Zwischenstop angekommen, erfahren die drei Geschwister, dass sie die Bedingungen des Testaments bereits erfüllt haben und nicht ganzen Weg nach Santiago de Compostela gehen müssen. Doch mittlerweile ist man sich in der Gruppe und untereinander näher gekommen, und so beschliessen sie, die Pilgerreise ordnungsgemäss zu beenden. Mit dieser Szene hätte der Film sein Ende finden können, doch folgt eine Art verlängerter Epilog, in dem alles, was vorher so schön funktioniert hat, zu zerfallen droht. Es geschieht nur noch wenig, dafür wird viel wiederholt und in die Länge gezogen.
Manchmal empfiehlt es sich eben, Wanderungen rechtzeitig abzubrechen.
[Simon Spiegel]
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