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Lemming - Filmkritik

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Land (Jahr): Frankreich (2005)
Genre:Drama
Filmlänge:130min
Regie:Dominik Moll
Kinostart:20.04.2006
 11.05.2005 (Romandie)
Kamera:Jean-Marc Fabre

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Harry Reloaded

Wer «Harry» liebte, wird «Lemming» mögen: Auch Dominik Molls zweiter Spielfilm handelt vom Einbruch des «Anderen» in eine Welt scheinbaren Paarglücks. Das ist dann aber so ziemlich alles, was klar ist.

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Sechs Jahre sind vergangen, seit Sergi Lopez, von der idée fixe besessen, einen alten Schulfreund wieder zum Schreiben zu bringen, sich lächelnd aufmachte, eine Familie auszulöschen. Eltern, Frau und Kinder sind es, so dachte damals dieser «Harry, un ami qui vous veut du bien», die einen, der zu Höherem berufen ist als zum Windeln-Wechseln, an der Entfaltung seiner wahren Begabung hindern. Ein Wahnsinniger legte Hand an ein Familienglück, aber seine Kaltblütigkeit war nur unwesentlich verstörender als die Erkenntnis, dass er nicht nur unrecht hatte.

Der brutale Einbruch eines «Anderen», Irrationalen, Triebhaften in eine scheinbar heile Welt ist auch das Thema in Dominik Molls zweitem Spielfilm. Ein «Lemming» verstopft den Ablauf eines Spülbeckens im Hause des Ingenieurs Alain Getty (Laurent Lucas) und seiner Frau Bénédicte (Charlotte Gainsbourg). Der Nager kündigt ein Geschehen an, von dem man nie genau wissen wird, ob und wie es sich tatsächlich zugetragen hat. Fest steht, dass Alains Chef (André Dussollier) mit Gattin Alice (Charlotte Rampling) zum Essen kommt, dieses Paar, das sich so hasst. Kein Wunder: Er schläft mit Nutten, und Alice, die er einst zu töten versucht haben soll, lebt noch, weil sie ihn «verrecken sehen will», wie sie ausstösst, bevor sie Alain zum Ehebruch auffordert, sich später erschiesst, und «Lemming» in jene rätselhaften Tiefen abtaucht, in denen alles verschwimmt.

Liess sich «Harry» noch als real erlebten Albtraum mit Happy End abbuchen, dessen mörderische Logik restlos in der Welt des Hier und Jetzt aufging, so verliert sich «Lemming» in der Mechanik des Träumens - den eigentümlichen Verschiebungen und Verwerfungen also, die sich aus dem Wünschen, Begehren und Verdrängen ergeben - und gewinnt nie wieder den sicheren Boden, auf dem sich sagen liesse, «aha, so war das also». Kaum ist der Kontroll-Freak Alain (er entwickelt eine fliegende Webcam, die an «Les singes volants» gemahnt, welche der Hobby-Schreiber in «Harry» imaginiert) im Spital aufgewacht, hat er und mit ihm der Zuschauer jede Kontrolle verloren, weiss nicht, was war, was ist, was wird. «Phantastisch» hat ein kluger Mann diese Verunsicherung genannt, wenn nicht mehr zu entscheiden ist, ob etwas Realität oder Traum ist, Vision oder Reinkarnation. Der Autounfall? Die Liebeszene am Ufer des Bergsees? Das Verschmelzen von Alice und Bénédicte? Bénédictes Affäre mit Pollock? Irgendwo hier wird «Lemming» zum Thriller, definitiv. Und die Fragen bleiben: Gesetzt, Bénédicte schläft mit Pollock, tut sie es dann, damit Alain Pollock tötet und Alice rächt? Kriminalisiert sie ihren Ehemann, um einem Leben zu entkommen, an dem schon Alice zugrunde ging?

Viele Fragen, falsche Fährten - toll gemacht, Papa Moll. Auch wenn Frau Emanze sich ärgern wird nach über zwei Stunden Denksport. Bénedicte steht zu Hause am Herd, und es ist etwas im Ofen. Als wäre nichts gewesen. [Stefan Gubser]

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m&m's Patrice: nervenzerfetzendes psycho-drama à la "einmal hölle...
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