Hostel - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2005) |
| Genre: | Horror |
| Filmlänge: | 94min |
| Regie: | Eli Roth |
| Kinostart: | 01.03.2006 (Romandie) |
| Drehbuch: | Eli Roth |
| Kamera: | Milan Chadima |
Zu brutal für die Deutschschweiz
Finger werden abgezwackt, Sehnen zerschnitten, Augen aus den Höhlen gepult - der von Quentin Tarantino produzierte Schocker «Hostel» liess menschenverachtenden Schund auf hohem Niveau erwarten. Nun wird es keine Aufführung in der Deutschschweiz geben. Ein weiser Entscheid des Filmverleihers oder reine Hysterie? Mitreden!
Es beginnt harmlos: Die College-Freunde Paxton (Jay Hernandez) und Josh (Derek Richardson) zeigen auf ihrem «Eurotrip», weshalb man den Begriff «Backpacker» kaum anders denn als Schimpfwort gebrauchen sollte. In Amsterdam schliesslich, zwischen Disco- und Bordellbesuch, erfahren sie von einem Ort ganz nach ihrem Gusto: Eine Herberge (Hostel) in der Slowakei, wo die Frauen jung, schön und willig seien.
Eine Zugfahrt später scheint sich den beiden tatsächlich die Pforte zum Paradies zu öffnen. Doch nach einem Saunabesuch und ordentlich Petting beginnt, was das Hochglanz-Presseheft genüsslich als «einen konsequent rohen und brutalen Genre-Meilenstein» bezeichnet, der «alle Grenzen überschreitet und selbst die härtesten Horrorfans schockieren wird.» Und das geht so: Die zwei US-Amerikaner geraten in die Hände einer osteuropäischen Mörderbande, die ihre Opfer als Folterobjekte an eine elitäre Klientel vermittelt. Folter heisst hier: Bohrer, Messer, Knochensäge.
Nun hat sich aber der Filmverleiher Buena Vista gegen eine Veröffentlichung in der Deutschschweiz entschieden. Aufgrund des kontroversen Themas und den daraus resultierenden Diskussionen, wie es offiziell heisst. Nicht weniger hat das Verdikt der grössten Schweizer Kinokette eine Rolle gespielt, den Film nicht auf den eigenen Leinwänden zu zeigen. Wird hier der Kinogänger bevormundet? Oder gehört derlei Schmutz konsequent verboten? Sagen Sie uns Ihre Meinung.
Die Meinung der Redaktion
«Hostel» ist kaum ein Meisterwerk, aber wöchentlich schaffen es weit schlechtere Filme in unsere Kinos. Man wird sich darum fragen müssen: Was genau ist dieses «kontroverse Thema»; was sehen wir überhaupt? Wir sehen, wie Menschen andere Menschen quälen und zu Grunde richten - weil sie eben die Macht dazu haben. Manchen Zeitgenossen werden dazu Schlagworte wie «Abu Ghraib!» oder «Die Amerikaner!» einfallen. Andere mögen das oben Beschriebene als Umschreibung kapitalistischer Vergesellschaftung sehen - eine arg zugespitzte natürlich, aber die Übertreibung war schon immer ein Vorrecht der Kunst.
Dass in drastischen Werken wie «Hostel» immer auch bittere Wahrheiten stecken, ist hinlänglich bekannt. Zum Beispiel, dass wir in Verhältnissen leben, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Es steht jedem frei, Filmen aus dem Weg zu gehen, die derlei ungeschönt zeigen und aus der Darstellung auch noch Genuss schöpfen. Wer aber denkt, die Welt werde ein besserer Ort, wenn solche Werke aus dem Verkehr gezogen werden, hat offenbar Mühe, Fiktion und Realität zu unterscheiden. [Jürg Tschirren]
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