Angel-A - Filmkritik
| Land (Jahr): | Frankreich (2005) |
| Genre: | Action, Comedy, Romance |
| Filmlänge: | 90min |
| Regie: | Luc Besson |
| Kinostart: | 25.05.2006 |
| 21.12.2005 (Romandie) | |
| Produktion: | Luc Besson |
Himmlisch menschlich
Eine Riesin, die aussieht wie ein Supermodel und eigentlich ein Engel ist, wurde auf die Erde geschickt, um einem armseligen Gauner das Leben zu zeigen.
Luc Besson hat sich bisher nicht davor gescheut, mit der grossen Kelle anzurühren. In «Le grand bleu» stellt er sich der Tiefe des Meeres, in «The Fifth Element» der Weite des Universums und in «Jeanne d'Arc» dem Pathos des französischen Nationalepos. Trotz der Wucht und Grösse der Themen, schmuggelt er immer auch menschliches und handfestes in seine Filme. So auch in «Angel-A», ein Titel der erneut himmlisches verspricht, im Grunde aber den Menschen an sich herausschält.
André (Jamel Debbouze) ist ein Gauner, Gambler und dazu kleinwüchsiger Marrokaner in Paris. Er ist bekannt in der Stadt wie ein bunter Hund, wo er hingeht, schuldet er Geld und weder die amerikanische Botschaft noch die Polizei wollen ihm Asyl gewähren. In seiner Hoffnungslosigkeit will er sich von einer dieser schönen Pariser Brücken stürzen, als Gott plötzlich sein letztes Stossgebet erhört und ihm einen Engel schickt. Nun ist der Engel von heute zum Beispiel eine 1.80 Meter grosse, blonde Schönheit, die sich ausgerechnet von derselben Brücke stürzt, noch bevor André weiss, wie ihm geschieht. So rettet er quasi den rettenden Engel und wird zum Dank von ihr auf Schritt und Tritt begleitet. Angela (Rie Rasmussen) heisst die Schöne und ihr Auftrag ist es, André's Innerstes nach aussen zu kehren. Mit engelhafter Geduld, Ausdauer und Überzeugungskraft hilft sie André dabei, sich näher zu kommen und selbst zu entdecken. Mitunter steckt da drin natürlich auch viel von dieser grossen erhabenen Amour, von der die Franzosen so gerne erzählen.
Die Geschichte, die sich zugegebenermassen etwas pädagogisch und rührselig anhört, wird von Besson im Gangstermilieu inszeniert (man erinnert sich gerne an «Léon») und mit viel Secondo-Humor à la «Taxi» zu bester Unterhaltung verwoben. Mit ihrem umwerfenden Äusseren erinnert die Riesin Rie Rasmussen ein bisschen an Milla-das-Fünfte-Element-Jovovich, wobei sie jene engelhafte Unschuld spielend mit Femme fatale Qualitäten vereint. Die Figur des André wirkt neben Angela wie ein armseliges Würstchen auf verlorenem Posten, hervorragend gespielt vom tragischkomischen Jamel Debbouze. Doch was zu Beginn des Films noch passt wie die Faust aufs Auge, findet vor der Kulisse des schwarz-weissen Paris plötzlich wunderbar zusammen. Und was für Besson zu Beginn untypisch kleingeistig angemutet hat, erwacht am Ende doch zu einer menschlichen Grösse, wie man sie vom Meister gewohnt ist. Da verzeiht man dem Film auch gerne das eine oder andere Klischee das er bemüht, denn Liebe können schliesslich noch nicht mal die Franzosen jedes Mal neu erfinden. [Beatrice Minger]
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