The Passion of the Christ - Filmkritik
| Aka Titel: | Die Passion Christi |
| Land (Jahr): | USA (2004) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 127min |
| Regie: | Mel Gibson |
| Kinostart: | 24.03.2005 |
| 23.03.2005 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Benedict Fitzgerald |
Sehen, um zu glauben?
Pünktlich zum Osterfest hängt Mel Gibson Jesus noch einmal ans Kreuz und bringt sein Folter-Drama um die letzten Stunden im Leben des Heilands noch einmal in die Kinos. Zu sehen gibt es viel Gewalt und wenig Seele.
Eigentlich ist ja das US-Publikum für Untertitel schwer zu haben. Fremdsprachen auf der Leinwand gelten gemeinhin als kommerzielles Todesurteil. Trotzdem liessen sich Massen von Zuschauern nicht davon abhalten, sich Sätze aus der Bibel in Hebräisch, Latein und Aramäisch zu Gemüte zu führen. In über 3000 Sälen startete der Film letztes Jahr in den USA und spielte bereits am ersten Wochenende 83 Millionen Dollar ein. Auch ausserhalb der USA liess der Kassenerfolg nicht auf sich warten.
«The Passion of the Christ» setzt in jener nebligen Nacht ein, als die jüdische Polizei Christus (James Caviezel) verhaftet. Pontius Pilatus (Hristo Shopov) sträubt sich, den seltsamen Mann auf Anstoss der jüdischen Geistlichen als Ketzer zum Tode zu verurteilen. Der degenerierte König Herodes (Luca De Dominicis) wiederum will sich nicht für den Fall interessieren. Doch das Volk will einen Schuldigen sehen.
Über zwei Stunden Filmzeit lang wird minutiös festgehalten, wie Jesus Christus mit Peitschen, Ketten sowie mit Metallteilen und Glasscherben bestückten Stöcken geschlagen und ihm die Haut vom Fleisch gerissen wird, bis er halbtot und mit dem Kreuz auf dem Rücken durch die Strassen getrieben wird, um später an diesem zu verenden. Ein Lob gebührt den Maskenbildnern und Kostümverantwortlichen, die Gibsons Bedürfnis nach einer möglichst realistischen visuellen Wiedergabe ermöglichen. Aber was mag der Zweck dieser Millioneninvestition sein?
«The Passion of the Christ» stellt keine Fragen - Leiden und Martyrium ist alles, was Gibson am Herzen liegt. Optisch hangelt man sich durch Bilder, die 2000 Jahre Kunstgeschichte in unser kollektives Bewusstsein eingeprägt haben. Mutter Maria (Maia Morgenstern) und Maria Magdalena (Monica Bellucci, überraschend dezent) säumen weinend den Leidensweg. Punktuell wird aber auch mit neueren Versatzstücken operiert und Übersinnliches numerisch übersetzt. Der Teufel (gespielt von Adriano Celentanos Tochter Rosalinda) ähnelt einem androgynen Streetparade-Teilnehmer, wie man ihn noch Mitte der neunziger Jahre gesehen hat.
Gibsons Passionsgeschichte schert sich nicht darum, irgendwelche Charakter-Eigenschaften von Jesus Christus zu vermitteln, Jim Caviezel ist die perfekte Hülle für den perfekten jungen Mann. Details und Nebengeschichten interessieren nicht. Beängstigend an dieser Tatsache ist, dass sich Gibson über todbringenden Fanatismus in Sachen Religion nicht im geringsten Gedanken zu machen scheint.
Diskussion: Unnötig blutig? Antisemitisch? Im Forum sind Meinungen gefragt. [Andrea Bleuler]
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