Kung Fu Hustle - Filmkritik
| Land (Jahr): | China (2004) |
| Genre: | Comedy |
| Filmlänge: | 95min |
| Regie: | Stephen Chow |
| Kinostart: | 02.06.2005 |
| 08.06.2005 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Tsang Kan Cheong |
Gehupft wie gesprungen
Hongkong-Superstar Stephen Chow vermählt Martial-Arts mit dem überdrehten Humor eines Looney Tunes-Cartoons. Was sich hier haarsträubend liest, ist auch im Film kaum weniger als wahnwitzig - und unglaublich unterhaltsam obendrein.
«Kung Fu Hustle» sei nicht nur eine Kung Fu Parodie, sondern zugleich ein sehr guter Kung Fu Film, meinte unlängst J. Hoberman in der New Yorker «Village Voice». Damit hat der Mann natürlich recht: wie Peter Jackson mit «Braindead» für den Splatter Film, nimmt Stephen Chow hier die Eigenheiten des Martial-Arts Genres auf die Schippe, ohne sein Material der Lächerlichkeit preiszugeben. Wenn Chows Charakter Sing im Lauf der Handlung getreten, geschlagen, von selbst geworfenen Messern durchbohrt und von einer Schlange gebissen wird, ist das stets zum brüllen komisch und doch mehr als eine simple Gagparade.
Die Eröffnungsszene macht klar, dass in «Kung Fu Hustle» alles geht. An einer Strassenkreuzung, nicht unähnlich der «Five Points» in Martin Scorseses «Gangs of New York», mäht die gefürchtete «Axe Gang» einen Konkurrenten und seine Helfer nieder. So hat man es auch bei Scorsese gesehen, nur hätte der das Gemetzel kaum in einer Tanznummer enden lassen, in der die Bösewichte anmutig ihre namensgebenden Äxte schwingen. Kaum weniger überdreht geht es weiter, als die Gang eine Vorortssiedlung namens «Pig Sty» terrorisiert, deren Bewohner sich einer nach dem anderen als Kung Fu Meister herausstellen.
Die darauf folgenden obligaten Prügeleien sind einem Looney Tunes-Cartoon kaum weniger verpflichtet als traditionellen Kampfsportfilmen. Schön sieht man das in einer Szene, in der Sing in rasendem Tempo der Besitzerin des «Pig Sty» zu entkommen versucht, die in ihm steckenden Messer wie Rückspiegel benutzend. Sing entkommt, als die Matrone die Bodenhaftung verliert und platt gedrückt an einer Werbetafel kleben bleibt. Wer hier nicht an Road Runner und Wile E. Coyote denkt, hat in seiner Jugend zu wenig Fernsehen geschaut.
In seiner Heimat Hongkong schon lange ein Superstar, wurde der Westen spätestens durch «Shaolin Soccer» (2001) auf Stephen Chow aufmerksam. Wer den Film gesehen hat, weiss um Chows Melange von computergenerierten Spezialeffekten und fulminanter Martial-Arts. An beidem mangelt es auch «Kung Fu Hustle» nicht: Dank CGI werden Glieder gestreckt und Köpfe um 360 Grad gedreht. Dank Drahtseilen und präziser Choreographie (zuständig war Yuen Woo-Ping, der auch die Kämpfe in «The Matrix» oder «Kill Bill» in Szene setzte), gibt es Kampfszenen, die Genre-Veteranen wie den Shaw Brüdern die Freudentränen in die Augen treiben würden.
«Kung Fu Hustle» mag als Film nicht mehr sein als ein bunter Bilderregen von haarsträubenden Stunts und verrückten Effekten. Aber Stephen Chow - als Drehbuchschreiber und Regisseur quasi ein Auteur im Pulp-Format - hat ein Werk geschaffen, das vor kinetischer Energie fast zu platzen droht. Wer sich nach eineinhalb Stunden bestens unterhalten aus dem Sessel erhebt, tut wohl daran zu überlegen, ob Kino nicht genau für solche Vorhaben erfunden wurde. [Jürg Tschirren]
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