Kill Bill: Volume 2 - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2004) |
| Genre: | Action |
| Filmlänge: | 153min |
| Regie: | Quentin Tarantino |
| Kinostart: | 22.04.2004 |
| 17.05.2004 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Quentin Tarantino |
Zweiter Gang: Rache, kalt serviert
Rache ist nicht nur süss, sondern auch ein Gericht, das man am besten kalt serviert. Das haben wir in «Kill Bill: Volume 1» gelernt. Im zweiten Teil von Quentin Tarantinos Revenge-Saga soll Bill nun endgültig der Gar ausgemacht werden.
Vorneweg: Ja, Bill bekommen wir in «Kill Bill: Volume 2» von Beginn an zu Gesicht. David Carradine spielt ihn mit raubtierhafter Eleganz und bedrohlichem Charme. Und die Frau, die im ersten Teil nur «Die Braut» (Uma Thurman) genannt wurde, will sich noch immer dafür rächen, dass Bill sie an ihrem Hochzeitstag in den Kopf schoss und ihr das ungeborene Baby nahm. Doch vor dem finalen Showdown stehen vier weitere Kapitel einer sich nonlinear entfaltenden Geschichte, in denen es erst einmal Bills restlichen Gesellen an den Kragen geht. Den vollen Namen der Braut erfahren wir dabei auch. Zum Vornamen heisst sie Beatrix.
Während die gesammelten Dialoge aus «Kill Bill:Volume 1» kaum mehr als die Vorder- und Rückseite eines A6-Notizzettels füllten, wird im zweiten Teil weniger gekämpft und mehr geschwatzt. Und das in einer Weise, wie man es von Quentin Tarantinos Dialogen erwartet (Bills Ausführungen zu Superman als Figur der Sozialkritik ist ein besonders schönes Beispiel). Viel Tarantino steckt auch in der filmischen Ästhetik der einzelnen Kapitel. Der Kung-Fu Teil der Geschichte könnte auch aus den Studios der Shaw-Brothers stammen, und Tarantino ist wohl der einzige Regisseur, dem das Publikum noch einen Reiss-Schwenk als Referenz abnimmt und mit einem wissenden Lachen quittiert. Sowieso wird die Referenzmaschine bereits in den ersten Minuten angeworfen, als «Kill Bill» innert wenigen Minuten vom Film Noir zum Spaghetti Western mutiert und dank einem Cameo von Samuel L. Jackson auch die Blaxploitation kurz zu Ehren kommt.
Durch Auftritte von Typen wie Michael Madsen, der als aufgedunsener Cowboy Budd übrigens aussieht wie Mickey Rourke, wird deutlich: Die Figuren, die in «Kill Bill» die Leinwand bevölkern, existieren höchstens als Stereotyp. Sie gehorchen den Regeln des Genres - nicht denen der Welt, in der wir leben. Sie zahlen keine AHV und sie müssen sich am Ende des Monats keine Sorgen darüber machen, woher das Geld für Miete, Heizung und Strom zu nehmen ist. Stattdessen kriegen sie von weisshaarigen Kung-Fu Lehrern Weisheiten wie «Die fünf-Punkte-Technik, die das Herz explodieren lässt» beigebracht. Besonders komisch wird es dann, wenn solche vollends fiktionalen Figuren plötzlich mit der «realen Welt» interagieren müssen. Etwa wenn eine eben noch lebendig Begrabene - von Kopf bis Fuss mit der Erde des eigenen Grabes bedeckt - im friedhofsnahen Diner ein Getränk bestellt.
Der Film ist damit vor allem eines: Eine Aneinanderreihung von grossartigen Versatzstücken der Genre-Geschichte(n). Ein Beispiel: Da gibt es wie bereits angedeutet diese Szene, in der jemand lebendig begraben wird, und man weiss sofort, dass Tarantino sie nur in «Kill Bill» haben wollte, weil er solches schon anderswo gesehen hat und seither genau weiss, dass in jedem anständigen Film jemand lebendig begraben werden sollte. So einer ist er nämlich, ein Fan. Und es ist Tarantinos Verdienst, mit «Kill Bill» eine derart unterhaltsame Story um seine Obsessionen gewoben zu haben, dass sie für uns alle zum Kinovergnügen werden. [Jürg Tschirren]
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