Sie ist, nebst Pippi Langstrumpf, versteht sich, wohl das wildeste Mädchen der Welt - unabhängig und tatenorientiert. Ihren Weg bahnt sie sich mit Intelligenz und einem Arsenal phallischer Waffen. Doch auch in ihrer zweiten Amtshandlung in Fleisch und Blut ist Lara Croft - gezeugt in einem Videogame, wo Realität niemals von Belang war - von unmenschlicher Perfektion. Ganz wie Kollege James Bond im Kalten Krieg.
Ein Erdbeben in der Ägäis hat unmittelbar den fulminanten Auftritt der Junior-Archäologin zur Folge. Per Jet-Ski, im niemals verrutschenden Bikini, begibt sie sich zum Ort des Geschehens, um kurz darauf ihre jüngste Mission um den Erdball anzutreten: Es gilt, die Welt zu retten. Die unheilbringende Büchse der Pandora muss gefunden werden, bevor ein charakterschlechter Nobelpreisgewinner (Ciarán Hinds) deren habhaft wird und sie an Terroristen verkauft.
Es ist der britische Akzent aus Angelina Jolies hypnotisierendem Schmollmund, der der menschgewordenen Lara ansatzweise Identität verleiht. In seltenen Momenten hebt die Superheldin gar die Braue, was die geballte Kraft übermannender Weiblichkeit lebendiger erscheinen lässt. Für weitere Frauenrollen ist in Anbetracht dessen verständlicherweise kein Platz.
Jan de Bont (ebenfalls für «Speed» plus Sequel verantwortlich) hat sich, nebst einigen attraktiven Action-Szenen, auch um die Modernisierung der knisternden Liebesgeplänkel bemüht. Lara Croft hat Romantik allerdings weit weniger nötig als ihre männlichen Kollegen.
Im Übrigen ist es aber auch viel unfreiwillige Komik, die zum gesteigerten Unterhaltungswert der Folge 2 beiträgt. So versprühen manche Dekorationen - die Ruinen in der Ägais und die Wald-Geister in Tansania - den Charme eines Fantasy-Films aus den späten fünfziger Jahren. Der absolute Leckerbissen für die deutschsprachige Gemeinschaft sind aber die zahlreichen Kurz- und Kürzest-Auftritte von Til Schweiger, der als Handlanger des Bösewichts wohl eine seiner frustrierendsten Rollen zu bewältigen hat.